La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Der Siebenjährige Krieg (XI)

Sonntag, 15. August 2010 6:02 pm

Es ist schon einige Zeit her, daß ich mich zuletzt bemüht habe, dem Verlauf des Siebenjährigen Krieges mit 250jähriger Verspätung zu folgen.

Ich schaffe es auch heute nicht, den Verlauf von der Schlacht bei Hochkirch bis zur Schlacht bei Liegnitz darzustellen, insbesondere die Schlacht von Kunersdorf (1759), aber ich möchte es dennoch nicht versäumen, an die Schlacht von Liegnitz zu erinnern, die heute vor 250 Jahren stattfand, und in deren Folge, wie schon einmal erwähnt, zwei meiner Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großonkel zu Tode kamen, Christian und Gottfried Rosenberg, die am 29. August bzw. 2. September 1760 in Breslau an den in der Schlacht bei Liegnitz erlittenen Verletzungen starben.

Beide gehörten wohl zum Regiment Prinz Ferdinand. Fontane schreibt zu diesem Regiment und insbesondere zu dessen Beteiligung an der Schlacht von Liegnitz im Band 1 seiner “Wanderungen” im Kapitel “Das Regiment Prinz Ferdinand während des Siebenjährigen Krieges”:

Die voraufgehenden beiden Schlesischen Kriege gaben dem Regimente nur zweimal Gelegenheit, sich zu bewähren; es focht bei Chotusitz (Czaslau) am 17. Mai 1742 und bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745. Weitere Details werden nicht berichtet.

Auch die Nachrichten über die Beteiligung des Regiments an den Schlachten des Siebenjährigen Krieges fließen nicht reichlich.

1756 waren die Grenadiere mit bei Lowositz (1. Oktober); die Musketierbataillone befanden sich unter den Truppen, die zur Einschließung des Lagers bei Pirna zurückgeblieben waren. Hier blieben sie bis zur Kapitulation der Sachsen am 15. Oktober.

1757, im Mai und Juni, lag das Regiment vor Prag, an der Belagerung der Festung teilnehmend. Am 7. September fochten die Grenadiere bei Moys (wo Winterfeldt fiel), die Musketiere in der Schlacht bei Breslau am 22. November. Bei Leuthen, 5. Dezember, war das ganze Regiment.

1758 teilten sich die Bataillone; das eine war bei der Belagerung von Ollmütz, das andere gehörte mit zur Bedeckung des großen Munitionstransportes für die Belagerer. Dieser Teil des Regiments wurde bei Domstädtel angegriffen, verteidigte sich aber mit so viel Bravour, daß ein Teil der Wagen gerettet wurde.

1759 wird das Regiment nicht genannt. Es scheint also ebensowenig wie bei Zorndorf und Roßbach (1758), so auch bei Kunersdorf nicht mit engagiert gewesen zu sein.

1760 ist das Glanzjahr des Regiments. Die Grenadiere wurden bei Landeshut, 23. Juni, unter Fouqué nahezu aufgerieben, der Rest in Gefangenschaft geschleppt; die Musketiere fochten am 15. August in der Schlacht bei Liegnitz und scheinen, neben dem Regiment Anhalt-Bernburg, den Hauptanteil am Siege gehabt zu haben. Der König verlieh allen Capitänen den Pour le mérite, dazu ein Geschenk von 100 Friedrichsdor. Namentlich dies letztere, bei den damaligen Kassenzuständen, deutet darauf hin, daß es dem Regiment an diesem Tage gelungen sein mußte, sich die Zufriedenheit des Kriegsherrn in einem besonders hohen Grade zu erringen. Andererseits (auch das mag Erwähnung finden) werden nicht viele in der Lage gewesen sein, von dieser besonderen Huld des Königs Nutzen zu ziehen, denn es heißt in aller Kürze: “Die Musketierbataillone waren beinah völlig ruiniert worden.”

Die Schlacht bei Liegnitz war die einzige, die dem Regimente zu besonders ruhmreicher Betätigung Gelegenheit gab. Es mag deshalb gestattet sein, bei dieser überhaupt glänzenden und zugleich poetisch-eigentümlichen Aktion einen Augenblick zu verweilen und eine kurze Schilderung derselben zu geben.

“Es war eine ungemein schöne Sommernacht. Der gestirnte Himmel hatte kein Wölkchen, und kein Lüftchen wehte. Niemand schlief. Die Soldaten hatten sich zwar mit ihrem Gewehr im Arm gelagert, allein sie waren munter, und da sie nicht singen durften, so unterhielten sie sich mit Erzählungen. Die Offiziere gingen spazieren, und die Generale ritten umher, um alles Nötige zu beobachten. Was den König angeht, so hat Gleim die Situation gegeben:

Auf einer Trommel saß der Held,
Und dachte seiner Schlacht,
Den Himmel über sich zum Zelt,
Und um sich her die Nacht.

Es fing eben an zu dämmern, als sich Laudon näherte, der mit seiner 30 000 Mann starken Armee den linken Flügel der Preußen im Lager angreifen wollte. Bald aber wurd er mit Erstaunen gewahr, daß er die ganze Armee des Königs vor sich habe, dessen zweites Treffen auch sogleich auf ihn losfiel und ihn von einer in der Nacht aufgeführten Batterie her begrüßte. Das erste Treffen hatte Friedrich zur Beobachtung Dauns bestimmt, der seinem rechten Flügel gegenüberstand. Laudon, auf die Unterstützung seines Oberfeldherrn rechnend, wich dem Kampfe nicht aus, sondern bot den Preußen die Spitze und überließ den Ausgang der Tapferkeit seiner Truppen und dem ihn so oft begleitenden Glück. Er ließ seine Kavallerie vorbrechen, sah aber, daß diese zurückgeworfen und in die Moräste getrieben wurde. Nun erst ging unsere Infanterie vor und schlug nach einem hartnäckigen Kampfe (an dem die Regimenter Prinz Ferdinand und Anhalt-Bernburg in erster Reihe teilgenommen zu haben scheinen) die österreichische Infanterie aus dem Felde. Die letztere machte noch den Versuch, mit einer ganzen Kolonne durch das vor der preußischen Front gelegene Dorf Panthen zu rücken, allein die Unseren steckten es durch Haubitzgranaten in Brand und zwangen den Feind, das Gefecht auf den linken Flügel einzuschränken.

Daun, auf dessen Erscheinen Laudon gerechnet hatte, kam ohne sonderliches Verschulden zu spät, da der Wind so stand, daß der Kanonendonner nicht gleich anfangs gehört wurde, trotzdem die Entfernung nur eine gute halbe Meile betrug.

Laudon, der alles getan und sich persönlich der größten Gefahr ausgesetzt hatte, zog sich nun zurück und überließ dem Könige das Schlachtfeld. 6000 Österreicher waren gefangen, 4000 tot oder verwundet; dabei waren ihnen 23 Fahnen und 82 Kanonen verlorengegangen. Bei Friedrichs Heere zählte man 1800 Tote und Verwundete, die zu erheblichem Teil auf die beiden genannten Regimenter entfielen.

Die Auszeichnungen, die dem Regimente Prinz Ferdinand zuteil wurden, hab ich bereits namhaft gemacht. Anders, aber nicht geringer war der Lohn, der dem Regiment Anhalt-Bernburg zufiel. Dieses Regiment hatte sich kurz vorher bei der Belagerung von Dresden (wo es bei einem Ausfall des Feindes zurückgeschlagen worden war) die Ungnade des Königs zugezogen, und die gemeinen Soldaten hatten zur Strafe die Seitengewehre, die Unteroffiziere und Offiziere die Huttressen verloren. Dies ward als ein solcher Schimpf empfunden, daß das ganze Regiment entschlossen war, bei nächster Gelegenheit die verlorene Ehre wieder zu erkämpfen oder zugrunde zu gehen. Diese nächste Gelegenheit war: Liegnitz. Der König, dem nichts entging, hatte gesehen, welche Opfer gebracht worden waren. Nach der Blutarbeit ritt er bei dem Regiment vorbei. Die Offiziere schwiegen, vier alte Soldaten aber fielen dem König in den Zügel, umfaßten seine Knie und flehten um die verlorne Gnade. ‘Ja, Kinder, ihr sollt sie wieder haben, und alles soll vergessen sein!’ Noch am selben Tage erhielten die Soldaten ihr Seitengewehr und die Offiziere ihre Tressen zurück.

Die Schlacht bei Liegnitz hatte nur zwei Stunden gedauert. [Fußnote: Am hundertjährigen Gedächtnistage der Schlacht bei Liegnitz ist auf einem Höhenzuge in der Nähe des Dorfes Panthen — wie es heißt, an ebender Stelle, wo sich der König während der Schlacht aufhielt — eine Erinnerungssäule errichtet worden. Sie ist von Granit, trägt zunächst einen Teller, auf diesem ein Kapitell in Form eines umgestülpten Topfes und auf dem Kapitell einen Adler von geringer Schönheit. Das Ganze mehr gut gewollt als gut getan. Die Inschrift lautet: “Zur Erinnerung an den 15. August 1760.” Dorf Panthen liegt links in der Tiefe; nach rechts hin ein Wäldchen, das schon in der Schlacht — wiewohl keiner der jetzt darin wachsenden Bäume bis 1760 zurückreicht– eine Rolle gespielt haben soll. — In Entfernung einer Meile nach Osten zu zieht sich ein gegenübergelegener, die ganze Gegend beherrschender Höhenzug, auf ihm Schloß und Kirche von Wahlstatt, letztere ein prächtiger Rokokobau, weithin sichtbar und wie der point de vue, so zugleich auch die Hauptzierde der Umgebung von Liegnitz.  Um fünf Uhr früh war alles vorüber. Um neun Uhr marschierte bereits die ganze Armee den Russen unter Tschernyschew entgegen. Noch am selben Tage wurden drei Meilen zurückgelegt.] Um fünf Uhr früh war alles vorüber. Um neun Uhr marschierte bereits die ganze Armee den Russen unter Tschernyschew entgegen. Noch am selben Tage wurden drei Meilen zurückgelegt.”

Archenholz, dem die vorstehende Schlachtschilderung im wesentlichen entlehnt ist, tut des Regimentes Prinz Ferdinand — dessen glänzende und ausschlaggebende Beteiligung an der Liegnitzer Affaire historisch feststeht — nicht Erwähnung. Überhaupt gehört unser Ruppiner Regiment nicht zu denen, die seitens dieses trefflichen Geschichtsschreibers (dessen Darstellung des Siebenjährigen Krieges ich bei dieser Gelegenheit erneut mit dem allergrößten Interesse gelesen habe) bevorzugt worden sind. Die Regimenter Itzenplitz und Manteuffel, Schwerin und Winterfeldt, Prinz Heinrich und Anhalt-Bernburg, vor allem das Regiment Forcade werden wiederholentlich genannt, auch andere noch, aber dem Regiment Prinz Ferdinand ist nicht eine Zeile gewidmet. Die Billigkeit erheischt, hinzuzusetzen, daß mit Ausnahme der Liegnitzer Schlacht die Aktion des Regiments nirgends eine hervorragende gewesen zu sein scheint. 1761 war es noch in Polen und Pommern, namentlich vor Kolberg, tätig; 1762 nahm es an der Belagerung von Schweidnitz teil. Dann kam der Frieden. Über das Garnisonleben, das nun eintrat, sprech ich erst weiterhin, davon ausgehend, daß die Formen dieses Lebens nach der Rheincampagne nicht wesentlich anders waren als nach dem Siebenjährigen Kriege.

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Posted By: Markus

Gehen

Sonntag, 13. Juni 2010 9:47 pm

Dem heutigen Kalenderblatt des Deutschlandfunks zum 200. Todestag von Johann Gottfried Seume entnehme ich das folgende Zitat:

“Wo alles zu viel fährt, geht alles sehr schlecht, man sehe sich nur um! Sowie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt. Man kann niemandem mehr fest und rein ins Angesicht sehen, wie man soll. Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.”

Das damit damit mancher Autofahrer und Radfahrer gemeint sein könnte, liegt auf der Hand. Ob man es aber auch auf Bahnfahrer beziehen kann?

Bedenkenswert auch das Folgende:

“Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.”

Schließlich ist Gehen nicht nur gesund, sondern auch unübertroffen, was die CO2-Emissionen angeht.

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Posted By: Markus

Environmental Degree

Sonntag, 14. März 2010 9:32 pm

Heute bekam ich eine besonders lustige spam-e-mail mit dem Absender “Environmental Degree” (solardegree5@yanman.com), die vom spam-Filter nicht erkannt worden war (verständlich, denn das Vokabular ist nicht das, das von mir üblicherweise als spam eingestuft wird):

Get the Degree that is working TODAY - The “Green” Degree, for the Jobs of tomorrow (Solar, Wind, etc), Today. Your “Green” degree will qualify you for jobs in Solar Power, Wind Power & More (any field you have experience in.)

No Exams - No Studying - No Classes.

CALL NOW! 1 410 624 [xxxx]

Special safety notice, OK.Complies with SecurityComplies with SecurityThis will be good to discuss.

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Posted By: Markus

“Es ist Deutschland hier”

Dienstag, 29. September 2009 10:19 am

Oh je, ist das peinlich:

http://www.youtube.com/watch?v=yGqRrSa5Ct0

So schlimm hatte ich mir schwarz-gelb nicht vorgestellt. Da muß man sich in den nächsten vier Jahren wohl auf einiges gefaßt machen. Immerhin, unser Außenminister in spe (oder sollte man lieber Möchtegern-Außenminister sagen?) bemüht sich ja:

http://www.youtube.com/watch?v=lLYGPWQ0VjY

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Posted By: Markus

Die “Emden”

Sonnabend, 29. August 2009 2:03 pm

Für die, die auch einmal über etwas anderes als Ahnen oder Politik lesen möchten:

Dies Bild zeigt die “Emden”, allerdings nicht während ihrer Jungfernfahrt am letzten Sonntag auf der Havel bei Potsdam, sondern vorgestern am Ufer des Langen Sees gegenüber von Karolinenhof.

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Posted By: Markus

Harry Patch

Sonntag, 26. Juli 2009 10:36 pm

Gestern verstarb Harry Patch, der drittletzte Teilnehmer des Ersten Weltkrieges, im Alter von 111 Jahren. Er war zugleich der letzte, der in den Schützengräben Flanderns gekämpft hatte. (Die beiden verbleibenden Veteranen dienten in der britischen Marine bzw. im amerikanischen Sanitätsdienst und bei der Bewachung deutscher Gefangener in Flandern.)

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Posted By: Markus

Henry Allingham

Sonnabend, 18. Juli 2009 9:12 pm

Heute verstarb Henry Allingham, einer von vier noch lebenden Teilnehmern des Ersten Weltkrieges, im Alter von 113 Jahren. Damit ist dieser Krieg wieder ein wenig tiefer “dans les brumes du passé” versunken.

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Wo sind die Liegewiesen?

Freitag, 22. Mai 2009 1:05 pm

Kürzlich wurde der Park am Nordbahnhof eröffnet, wie der Tagesspiegel berichtet.

In den Park gelangt man durch Tore, die an Metalldetektoren erinnern:

Kurz dahinter steht dann ein Schild, auf dem steht, daß der Park nachts abgeschlossen wird:

Angeblich soll der Park Ost und West verbinden. Schade nur, daß die Verbindung nachts abgeschlossen wird (im Winter schon um 19 Uhr). Nicht nur, wer dann z.B. von der Schwartzkopffstraße zur Bushaltestelle in der Gartenstraße will, muß weiterhin einen großen Bogen laufen. Denn da auch der Durchgang von der Pflugstraße über die Friedhöfe zur Liesenstraße nachts abgeschlossen ist, gibt es zwischen Chausseestraße und Caroline-Michaelis-Straße weiterhin keine Querungsmöglichkeit des einstigen Mauerstreifens.

Wenn man dann weiter im Park spazierengeht, drängt sich einem aber vor allem folgende Frage auf:

Wer plant eigentlich einen Park ohne Liegewiesen???

Zum Glück gibt es im Norden und Westen des jetzigen Parkgeländes noch weitere ungenutzte Bahnflächen, mit denen der Park erweitert werden kann. Dort sollte man die Liegewiesen dann aber nicht mehr vergessen.

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Posted By: Markus

Aktionärsrechte-Richtlinien-Umsetzungs-Gesetz

Mittwoch, 13. Mai 2009 9:16 pm

Wieder mal ein Wort mit 42 Buchstaben, mit oder ohne Bindestriche: Aktionärsrechte-Richtlinien-Umsetzungs-Gesetz. Mit Bindestrichen paßt es besser in die Spalte “Letzte Einträge”.

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Posted By: Markus

Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz

Freitag, 3. April 2009 6:49 pm

Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz, welch schönes deutsches Wort! 42 Buchstaben!

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Posted By: Markus
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