La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Vorfahren und Verwandte in Sternberg Nm.

Freitag, 22. August 2008 9:16 am

Bei dem folgenden handelt es sich um eine leicht aktualisierte Version des bisher unter http://www.ogygia.de/orte/sternber.htm verfügbaren Textes (letzter Stand 31. Juli 2005).

Das Städtchen Sternberg in der Neumark (poln. Torzym) war zweimal Wohnort von Vorfahren und Verwandten. Von 1871 bis 1881 wohnte dort mein Urgroßvater Albert Röhling und von 1939 bis 1945 hatte Elimar Kintzel dort die zweite Pfarrstelle inne.

Albert Röhling

Albert Röhling wurde am 26. Juli 1836 in Leipzig als Sohn des Herzoglich Sachsen-Altenburgischen Stallmeisters Albert Röhling und der Henriette Löwe geboren. Ende der 1860er Jahre heiratete er Adelheid Wenzel, geboren in Crossen a/O. am 28. September 1842. Sie war die Tochter des Justizrats Eugen Wenzel und der Emilie Billeau. Zunächst wuchs sie in Crossen auf, dann in Sorau NL., wo ihr Vater spätestens ab 1851 als Rechtsanwalt und Notar tätig war.

Wann und wo Albert Röhling und Adelheid Wenzel geheiratet haben, ist bisher unbekannt. Der erste Sohn Albert wurde am 7. August 1870 in Schönfeld Kr. Crossen a/O. geboren, wo Albert Röhling zu dieser Zeit Gutsinspektor war. 1871 kam er nach Sternberg und am 13. Mai 1872 wurde dort mein Großvater Ernst Röhling geboren, am 29. April 1873 die Tochter Frieda. Adelheid Wenzel starb schon kurze Zeit später (25. Dezember 1874) an Schwindsucht. Albert Röhling hatte in Sternberg das einige hundert Meter südwestlich der Stadt auf einer Halbinsel des Eilangsees gelegene Gut Wasserhof gepachtet. Auf dem folgenden Bild sind hinter den Bäumen am linken Rand die Gebäude der heutigen Försterei gerade noch erkennbar.

1881 mußte Albert Röhling als Domänenpächter in Sternberg Konkurs anmelden. 1884 ist er als Pächter des Vorwerkes Wilhelmswalde nachgewiesen, das zum Rittergut Auer im Kreis Mohrungen in Ostpreußen gehörte. Seit 1889 finden wir ihn als Rentier in Kötzschenbroda bei Dresden. Er starb er am 27. April 1908 im benachbarten Naundorf (Kötzschenbroda wie Naundorf gehören heute zu Radebeul). Albert Röhling hatte am 4. September 1884 in Falkenhain noch einmal geheiratet. Seine zweite Frau war seine Cousine Lucy Heßling, eine Tochter des Rittergutsbesitzers Johann August Gottfried Heßling auf Voigtshain und der Louise Löwe. Lucy Heßling starb am 27. Mai 1914 in Naundorf.

Elimar Kintzel

Elimar Kintzel wurde am 26. Juni 1908 in Spandau als Sohn des Lehrers Elimar Kintzel und der Klara Hockauff geboren. Nach dem Studium der Theologie in Berlin, Greifswald und Bethel und dem Examen vor der Prüfungskommission der Bekennenden Kirche von Berlin-Brandenburg wurde er Vikar in Lietzen Kr. Lebus. Nach dem Predigerseminar in Elberfeld wurde er Vikar in Görlsdorf. Der Ordination folgte 1939 die Übernahme der zweite Pfarrstelle in Sternberg Nm. 1939 heiratete er in Lietzen (kirchlich in Neuentempel) die aus Gunzenhausen in Mittelfranken stammende Rosl Faulstich (1910–2001; zuvor Hauslehrerin in Komturei Lietzen). Nach seiner Einberufung im Sommer 1940 kam Elimar Kintzel nur noch im Urlaub nach Sternberg. Dort wurden zwei Töchter und am 9. Januar 1945 ein Sohn Thomas geboren, der gleich nach der Geburt wieder verstarb. Rosl Faulstich verließ Sternberg am 30. Januar 1945 kurz vor der Einnahme durch die Rote Armee. Elimar Kintzel war nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in Fischbach bei Nürnberg, Weißenburg in Bayern und Würzburg als Pfarrer tätig. In Würzburg verstarb er am 27. November 1994. Während ihrer Zeit in Sternberg bewohnte die Familie Kintzel eine Wohnung in der Bahnhofstraße.

Das Haus ist das mittlere von dreien, im Hintergrund rechts ist der Kirchturm zu erkennen.

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Posted By: Markus

Aufräumen

Montag, 18. August 2008 12:21 pm

Insgesamt habe ich mittlerweile drei Internet-Adressen:

Besonders die letzte Seite ist seit Jahren nur gelegentlich aktualisiert worden und bedarf dringend einer Neugestaltung. Als ersten Schritt werde ich von dort alle Seiten, die nichts direkt mit der Berufsgenealogie zu tun haben, abziehen, und in diesem blog erneut veröffentlichen. Es wundere sich also niemand, wenn er hier in der nächsten Zeit ihm schon Bekanntes liest.

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Posted By: Markus

Joseph Joachim und Johannes Brahms

Mittwoch, 15. August 2007 12:55 pm

Heute vor 100 Jahren starb Joseph Joachim im Alter von 76 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg (Fürstenbrunner Weg) neben seiner Frau, der Sängerin Amalie Schneeweiß, begraben.

Gerne würde ich aus diesem Anlaß einmal etwas Akustisches in dieses blog einbauen, nämlich eine Aufnahme mit Joseph Joachim. Doch da ich nicht die Originalplatten, sondern nur eine Neuausgabe auf CD besitze, könnte ich mir u.U. rechtliche Schwierigkeiten einhandeln. Man kann allerdings kurze Ausschnitte in der heutigen Sendung “Kalenderblatt” des Deutschlandfunks hören. Meines Wissens gibt es fünf Aufnahmen mit Joachim:

  • Bach, Bourrée aus der Partita für Violine solo in b-moll.
  • Bach, Adagio aus der Sonate für Violine solo in g-moll.
  • Joachim, Romanze in C-Dur.
  • Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 1 in g-moll.
  • Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 2 in d-moll.

Faszinierend an diesen Aufnahmen ist für mich vor allem, wie weit sie zurückreichen. Nicht nur, daß sie vor 104 Jahren entstanden, sondern auch, daß es kaum einen jemals auf Schallplatte festgehaltenen Interpreten gibt, der vor Joachim geboren wurde. (Ich meine mich zu erinnern, mal gelesen zu haben, daß es Aufnahmen eines Kantors gibt, der noch vor Joachim geboren wurde, doch kann ich mich leider nicht mehr erinnern, wo.) Wie weit die Aufnahmen noch über das Aufnahmedatum hinaus zurückreichen, wird einem klar, wenn man daran denkt, daß Joachim Beethovens Violinkonzert 1844 in London noch unter Mendelssohn-Bartholdy am Dirigentenpult spielte. Da sieht man auch leicht über die, im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Aufnahmen übrigens gar nicht einmal so schlechte Aufnahmequalität und den einen oder anderen Patzer, den der 72-Jährige in der ihm wahrscheinlich ungewohnten starren Haltung vor dem Schalltrichter machte, hinweg.

Im folgenden aber will ich mich mit einem genealogischen Aspekt befassen. Denn Joachim und Brahms waren nicht nur befreundet, sondern auch sehr entfernt miteinander verwandt, wenn auch nicht blutsverwandt.

Da ich nicht recht weiß, wie ich eine genealogische Tafel in dieses Netztagebuch einfügen kann, versuche ich die Verwandtschaft in Listenform wiederzugeben. Ich beginne zunächst mit Joachim und verfolge eine seiner Vorfahrenlinien rückwärts. Seine Mutter war:

Franziska Figdor, oo Friedrich Joachim. Mutter:

Anna Figdor, gest. am 12. April 1833, oo Isaak Figdor. Mutter:

Therese, gest. nach 1804, oo Isaak Schlesinger, gest. 1798. Vater:

Seligman Krailsheim, gest. nach 1798. Mutter:

Chana, gest. am 7. November 1720, oo Löb Krailsheim, gest. nach 1751. Vater:

Wolf Brillin, gest. vor 1711. Eltern:

Sarlan (Sara) Oppenheim, gest. nach 1692, oo R. Isaak ben Sußman Brilin, gest. nach 1692 (nach anderer Angabe in Mannheim am 13. März 1678).

Von hier aus begeben wir uns jetzt wieder nach unten. Isaak Brillin und Sara Oppenheim (deren Bruder Samuel übrigens der Ur-Ur-Ur-Großvater von Felix Mendelssohn-Bartholdy war) hatten unter anderem die Tochter:

Frumet (Veronica) Brilin, gest. Wien 24. April 1715, oo Simson Wertheimer, * in Worms 1658, gest. in Wien am 6. August 1724. Sohn:

Wolf Wertheimer, * in Worms um 1680, gest. in Wien 1765, oo Lea Oppenheimer. Sohn:

Samuel Wertheimer, * in Wien 1709/10, gest. in Wien am 22. April 1786, oo Sara Oppenheimer. Sohn:

Simson Wertheimer, * 1728/29, gest. in Wien am 17. August 1810, oo Karoline Neustadtl. Sohn:

Zacharias Wertheimer, * in Wien 1780/82, gest. in Wien am 31. Dezember 1852, oo Jentl Baruch. Sohn:

Gustav Wertheim, * in Wien am 28. Oktober 1822, + in Wien am 8. Januar 1888, oo Wilhelmine Walcher. Tochter:

Camilla Wertheim, * in Wien am 24. September 1860, + in Heidelberg am 5. Oktober 1940, oo Georg Jellinek. Sohn:

Walter Jellinek, * in Wien am 12. Juli 1885, + in Heidelberg am 9. Juli 1955, oo Irmgard Wiener, * in Ettenheim am 2. Juni 1891, + in Holzminden am 6. Juni 1976.

Damit wären wir bei den Großeltern meines Schwagers angelangt. Von hier aus geht es jetzt wieder aufwärts. Die Mutter von Irmgard Jellinek geb. Wiener war:

Eleonore Bolza, * in Dahn (Pfalz) am 14. Oktober 1864, + in Hildesheim am 3. Februar 1923, oo Alexander Wiener. Mutter:

Louise Koenig, * in Kloster Oberzell bei Würzburg am 26. Oktober 1830, + in Freiburg (Breisgau) am 25. April 1928, oo Moritz Emil Bolza. Mutter:

Fanny Jacobs, * in Coburg am 7. April 1808, + in Oberzell am 1. April 1882, oo Friedrich Koenig. Vater:

Wilhelm Jacobs, * in Zella am 18. Juli 1783, + in Saalfeld am 1. Mai 1819, oo Johanna Hoffmann. Vater:

Friedrich Heinrich Wilhelm Jacobs, * in Gotha am 24. August 1743, + in Zella am 30. März 1805, oo Juliana Kühnhold. Vater:

Wilhelm Jacobs, * in Gräfentonna am 25. März 1719, + in Gotha am 16. März 1800, oo Gisela Lilien. Vater:

Gottlieb Jacobs, * in Gotha am 18. Januar 1684, + in Gräfentonna am 16. März 1723, oo Elisabetha Sophia Bachofen von Echt. Vater:

Johann Jacobs, * in Flensburg am 24. Februar 1648, + in Gotha am 6. März 1732, oo Maria Volck. Vater:

Hinrich Jacobs, * in Flensburg etwa 1600/1605, begr. in Flensburg am 19. Mai 1668, oo Dorothea Jebsen. Vater:

Hinrich Jacobs, * in Flensburg vermutlich kaum nach 1570, begr. in Flensburg am 1. April 1616, oo Margarete Tetens. Mutter:

Metta Lange, * in Flensburg 1545/47, + in Flensburg am 5. September 1610, oo Thomas Jacobs. Mutter:

Elsabe Finke, * in Flensburg 1622, + in Flensburg am 21. August 1576, oo Hans Lange. Vater:

Jacob Finke d.J., erwähnt in Flensburg 1517–1537, oo Brigitte NN.

Und von hier aus wieder abwärts über einen Sohn der Vorgenannten:

Jacob Finke, + in Flensburg 1570, oo Anna Thor Smede. Tochter:

Brigitte Finke, * in Flensburg 1558, + in Flensburg 1642, oo Hermann Lange. Sohn:

Hans Lange, * (in Flensburg) 1582, + in Flensburg 1653, oo Maria Lorch. Tochter:

Margarethe Lange, * in Flensburg 1609, + in Flensburg 1683, oo Johann Jessen. Tochter:

Maria Jessen, * (in Großenwiehe) 1637, + Leck 1715, oo Dietrich Brodersen. Sohn:

Johann Brodersen, * (in Leck) 1680, + (in Leck) 1738, oo Beate Dorothea NN. Tochter:

Johanna Maria Brodersen, * (in Leck) 1719, + Tondern 1766, oo Peter Nissen. Sohn:

Peter Radeloff Nissen, * in Tondern 1750, + in Hamburg 1797, oo Anna Margaretha von Bergen. Tochter:

Johanna Henrike Christiana Nissen, * in Hamburg 1789, + in Hamburg 1865, oo Johann Jacob Brahms. Sohn:

Johannes Brahms, * in Hamburg am 7. Mai 1833, + in Wien am 3. April 1897.

Und so wären wir von Joachim auf Brahms gekommen. Eine genealogische Spielerei, zugegebenermaßen, aber doch ganz nett. Allerdings könnte es sicher nicht schaden, sich hier und da noch einmal die Quellen genauer anzugucken und die Angaben zu ergänzen, besonders was die Vorfahren Joachims angeht. Für die obige Aufstellung wurden neben den Forschungsergebnissen Walter Jellineks benutzt:

  • Deutsches Geschlechterbuch, Band 214 (Stammfolge Jacobs).
  • Lejeune, Eckart J.: Berühmte Nachkommen des Koppelmann Eppstein. In: Genealogie 20 (1971) S. 719f. und Tafeln 1–7.
  • Wachstein, Bernhard: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. Bd. 2 Wien 1917. (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich 4)
Abgelegt unter: Berlin, Familienforschung sonstige, Friedhöfe
Posted By: Markus

Familientag

Sonnabend, 7. Juli 2007 1:01 am

Am letzten Wochenende fand in Wahmbeck an der Weser wieder der Baum’sche Familientag statt, bei dem sich alle zwei Jahre die Nachfahren des Gubener Landgerichtsdirektors Karl Baum (1876–1933) versammeln. Ein Reihe netter Aufnahmen wurde bereits anderweitig in’s Netz gestellt, ich will aber nichtsdestoweniger hier auch noch einige mit alter Technik aufgenommene Bilder bringen.

Die ersten Bilder zeigen, daß auch alte Plattenkameras durchaus den Anforderungen einer Sportreportage gewachsen sind:

Aber nicht nur die Zuschauer des traditionell am Sonnabendnachmittag stattfindenden Fußballspiels konnten aufs Bild gebannt werden, auch der Einsatz der Kamera mitten auf dem Spielfeld ist möglich:

Technisch bin ich allerdings noch nicht ganz mit der Kamera vertraut. Sieht man einmal davon ab, daß ich es noch nicht geschafft habe, mit dem Staub fertigzuwerden, der auf mir noch nicht ganz verständlichen Wegen immer wieder eindringt, daß ab und zu der Film nicht ganz plan liegt (wie auf dem ersten Bild am rechten Rand) und daß manchmal Licht durch die Dichtung eindringt (wie auf dem zweiten Bild am rechten Rand), so ist bei den unvergüteten alten Objektiven Gegenlicht eine sehr heikle Sache, wie man auf dem folgenden Bild an dem geringen Kontrast in der Bildmitte erkennt (es zeigt übrigens alle mehr als 80 Jahre alten Teilnehmer des Familientages):

Das folgende Bild, wenn auch technisch nicht perfekt, zeigt die Möglichkeiten, die im Großformat stecken. Die 1/10 Sekunde war zwar offensichtlich angesichts der expressiven Interpretationsweise des linken Gitarrenspielers zu lang, um ihn ohne Bewegungsunschärfe auf’s Bild zu bannen, aber angesichts der Tatsache, daß nur eine 60-Watt-Birne in drei Metern Entfernung die Szene erhellte und der Film um mehrere Blenden gepusht wurde, ist doch vom Korn noch kaum etwas zu sehen. Da ist sicher auch noch mehr drin, wenn auch irgendwann die Kontraste ziemlich heftig werden dürften.

Hier noch zwei Aufnahmen vom Sonntagmorgen, zu dem Zeitpunkt waren allerdings schon einige Teilnehmer und ein Hund wieder abgereist, ein weiterer Teilnehmer schlief noch:

Und noch einmal, aber hier hat jemand anderes den Auslöser betätigt:

Bei Cornelius Heinze findet sich das Motiv auch noch aus der entgegengesetzten Richtung:

Was ich auch noch schreiben wollte: Ich fand ja schon immer die Familientage sehr schön, aber als ich vorgestern von einer sehr unerquicklichen Sitzung bei den Grünen nach Hause zurückkehrte, wurde mir erst klar, wie nett und umgänglich eigentlich alle in dieser Familie sind.

(Und für die, die ein wenig mit Dunkelkammerchemie vertraut sind: Bild 2 und 6: Goldtonung, Bild 3 und 4: Gold- und Selentonung, Bild 1 und 5: ungetont; alles auf Auskopierpapier von Retro Photographic bzw. Kentmere.)

Abgelegt unter: Brandenburg, Familienforschung sonstige
Posted By: Markus

Der Siebenjährige Krieg (III)

Dienstag, 19. Juni 2007 1:01 pm

Wie Wetterwolkenschwere
Sieht man’s am Himmel ziehn,
Sie ziehen vorauf dem Heere,
Sich lagernd über — Kolin.

So endet ein Gedicht Fontanes auf den Generalfeldmarschall von Schwerin, der in der für die Preußen siegreichen Schlacht bei Prag gefallen war. Nach der Schlacht hatten die Preußen mit der Belagerung der Stadt begonnen und die Österreicher unter Feldmarschall Daun versuchten nun, diese zu entsetzen. Friedrich der Große stellte sich den anrückenden Österreichern am 18. Juni 1757, also gestern vor 250 Jahren, bei Kolin entgegen und erlitt eine Niederlage, in deren Folge er die Belagerung Prags aufgeben und sich nach Sachsen zurückziehen mußte.

Ein Teil der österreichischen Truppen hatte sich bei dem Dorf K?e?ho? festgesetzt, das von den Preußen zunächst erobert, aber nicht dauerhaft gehalten werden konnte. Während der Kampfhandlungen wurden auch die katholischen Kirchenbücher von K?e?ho? zerstört. Ein zunächst nicht besonders bemerkenswertes Ereignis, wurden doch in Kriegen immer wieder zahlreiche dieser für die Familienforschung so wichtigen Quellen zerstört.

Die besondere Bedeutung gerade dieser Kirchenbücher liegt darin, daß mit ihrer Hilfe womöglich definitiv die Herkunft des Wiener Oberrabbiners und Predigers Adolf Jellinek hätte geklärt werden können.

Der Großvater Adolf Jellineks, Georg oder Hersch, stammte vermutlich aus K?e?ho?. Als Angehöriger der protestantischen Sekte der Sabbatarier oder Sioniten wäre seine Geburt wahrscheinlich in den Kirchenbüchern von K?e?ho? registriert gewesen, da die Angehörigen dieser Sekte ihren Glauben nur heimlich ausübten. Erst nach dem Toleranzedikt Josephs II. aus dem Jahre 1782 wagten sie es, sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen. Ihnen wurde allerdings mehr oder minder gewaltsam bedeutet, daß die Toleranz sich nur auf Lutheraner, Reformierte und Juden erstrecke und daß sie sich für eine dieser Religionen oder für die römische Kirche entscheiden müßten. Ein Teil der Sabbatarier verließ daraufhin den Bezirk Kolin und trat zum Judentum über. Einen Konvertiten Markus Jellinek, Sohn des Georg, finden wir später in Ungarisch Brod wieder, dem Geburtsort Adolf Jellineks.

Die Frage ist nun, ob dieser Markus Jellinek identisch mit jenem Markus Jellinek ist, der als Bruder des Isak Löb Jellinek, dem Vater Adolf Jellineks, genannt ist. Dies ist in jüngerer Zeit bestritten worden (Klaus Kempter: Die Jellineks 1820–1955. Eine familienbiographische Studie zum deutschjüdischen Bildungsbürgertum. Düsseldorf 1998. (= Schriften des Bundesarchivs 52)). Kempter stellt die Hypothese auf, daß es gleichzeitig zwei verschiedene Markus Jellinek in Ungarisch Brod gegeben habe, ohne allerdings dafür einen Beleg zu bringen. Auch noch andere Gründe sprechen meines Erachtens gegen die These Kempters, ich hoffe, dies einmal in einem Artikel ausführlich darlegen zu können.

Eine definitive Antwort auf diese Frage könnten womöglich genetische Tests bringen, es ist mir aber noch nicht gelungen, die entsprechenden Teilnehmer zu rekrutieren.

Bei meinen Recherchen für diesen Eintrag stieß ich übrigens mehr oder minder zufällig auf einen anderen Zweig der Familie Jellinek. Unter der Firma “R. Jelínek” interessiert immer noch eine Brennerei, wenn sie auch nicht mehr im Besitz der Familie ist. Einige geschichtliche Informationen gibt es unter http://www.rjelinek.cz/historie.php?LANG=de.

Der dort als Vater des Sigmund Jellinek erwähnte Jakob Jellinek ist übrigens ein Vetter ersten Grades von Adolf Jellinek (jedenfalls meiner Auffassung nach).

Abgelegt unter: Dies und das, Brandenburg, Familienforschung sonstige
Posted By: Markus
 

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