Dienstag, 19. August 2008 1:13 pm
Vorbemerkung
Immer wieder taucht die Frage auf, wo die Kirchenbücher dieses oder jenes Ortes in der Mark Brandenburg aufbewahrt werden. Im folgenden will ich eine Übersicht geben, wie man das Vorhandensein und den Aufbewahrungsort mit einfachen Mitteln feststellen kann. Das Verfahren unterscheidet sich dabei für die links und rechts der Oder bzw. Neiße gelegenen Orte.
Der links der Oder belegene Teil des Kreises Königsberg ist dabei wie der rechts der Oder belegene Teil zu behandeln, die vorhandenen Kirchenbücher sind allerdings auch in den Bestandsverzeichnissen von Themel/ Ribbe und den Verzeichnissen des Landeskirchlichen Archivs enthalten. Die rechts der Oder belegenen Teile des Kreises Lebus (eingekircht nach Lebus) sind wie die links der Oder belegenen zu behandeln.
Orte rechts der Oder und Neiße
Hier ist das Feststellen vorhandener Kirchenbücher und von deren Aufbewahrungsort sehr einfach, da im allgemeinen ein Blick in das folgende Werk genügt (wechselnde Kirchspielzugehörigkeiten in älterer Zeit sind allerdings nicht berücksichtigt):
GRÜNEBERG, Georg: Kirchenbücher, Kirchenbuch-Duplikate und Standesamtsregister der ehemals brandenburgischen Kreise Königsberg, Soldin, Landsberg, Arnswalde, Friedeberg, Ost- und Weststernberg, Crossen, Züllichau-Schwiebus, Guben und Sorau (östl. der Neiße), Schwerin, Meseritz und Bomst. Bestandsverzeichnis 2008. Lenzen (Elbe) 2008 (= Quellen und Schriften zur Bevölkerungsgeschichte der Mark Brandenburg 11)
Orte links der Oder und Neiße
(Anmerkung: Hier nicht behandelt sind die Kirchenbücher der römisch-katholischen und anderer Kirchen. Soweit diese nicht als Duplikate an staatliche Archive gelangt sind, sollten sie sich in den zuständigen Gemeinden befinden.)
Zunächst ist festzustellen, zu welcher Kirchengemeinde der Ort zur fraglichen Zeit gehörte. Hierfür steht ein hervorragendes Hilfsmittel zur Verfügung:
Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I Prignitz, II Ruppin, III Havelland, IV Teltow, V Zauch-Belzig, VI Barnim, VII Lebus, VIII Uckermark, IX Beeskow-Storkow, X Jüterbog-Luckenwalde, XI Orts- und Personenregister. Weimar 1962 (2. Aufl. 1997), 1970, 1972, 1976, 1977, 1980, 1983, 1986, 1989, 1992 und 1995. (= Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs/ Staatsarchivs Potsdam 3, 7, 11, 13, 14, 16, 18, 21, 25, 26 und 31)
Ergänzend hinzu kommt:
LEHMANN, Rudolf: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. 2 Bde. Marburg 1979.
Ist die zuständige Kirche festgestellt, geht der nächste Griff zu:
THEMEL, Karl; RIBBE, Wolfgang: Brandenburgische Kirchenbücher. Übersicht über die Bestände der Pfarr- und Kirchenarchive in den Sprengeln Cottbus, Eberswalde und Potsdam der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin 1986. (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 53)
Hiermit kann festgestellt werden, ob für den gesuchten Zeitraum überhaupt Kirchenbücher vorhanden sind. Sind die Kirchenbücher bei Themel/ Ribbe als nicht vorhanden gekennzeichnet, so besteht für den Zeitraum 1794–1874 noch die Möglichkeit, daß Duplikate im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam vorhanden sind. Ein gedrucktes Verzeichnis befindet sich in Vorbereitung. Allerdings sind fast alle Kirchenbuchduplikate aus Potsdam von den Mormonen verfilmt worden, so daß deren online-Katalog benutzt werden kann. Lediglich einige wenige Duplikate sind nach den in Potsdam durchgeführten Verfilmungen dorthin gelangt, v.a. aus dem Amtsgericht Wittstock. Hierüber kann nur eine Anfrage in Potsdam Auskunft geben.
Ist mit Hilfe von Themel/ Ribbe die Existenz eines Kirchenbuches für den gesuchten Zeitraum festgestellt worden, muß als nächstes überprüft werden, ob sich dieses in einem Archiv befindet. Hierfür kommen erster Linie in Frage das Evangelische Landeskirchliche Archiv in Berlin (ELAB) und das Domstiftsarchiv in Brandenburg.
Im Landeskirchlichen Archiv in Berlin befinden sich die im folgenden aufgeführten Kirchenbücher aus Berlin und Brandenburg. Die Einteilung der Kirchenkreise folgt dabei dem o.g. Verzeichnis von Themel/ Ribbe (also dem Stand vom 1. Juni 1984). Die im Landeskirchlichen Archiv verfügbaren Kirchenbücher sind in den Beiheften zum Archivbericht der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg verzeichnet. In Klammern ist jeweils die Nummer des entsprechenden Beiheftes angegeben. Sofern die Kirchenbücher nicht auf anderem Wege ins Landeskirchliche Archiv gelangt sind, sind sie auf Microfiche verfügbar, die im Zuge der seit 1991 laufenden Verfilmungsaktion angefertigt wurden.
Es sind im Landeskirchlichen Archiv verfügbar:
- Die evangelischen Kirchenbücher des Sprengels Berlin (Beihefte Nr. 1–22; z.T. als Papierkopie). Achtung: der Sprengel Berlin ist nicht mit dem Stadtgebiet identisch, so gehören zu ihm beispielsweise auch die Kirchenkreise Königswusterhausen und Teltow.
- Sämtliche französisch-reformierten Kirchenbücher der Mark Brandenburg (Nr. 13).
- Die evangelischen Kirchenbücher des Sprengels Cottbus (Kirchenkreise Beeskow (Nr. 30), Calau-Lübben (Nr. 31), Cottbus (Nr. 32), Finsterwalde (Nr. 33), Frankfurt (Nr. 34), Fürstenwalde (Nr. 35), Guben (Nr. 36), Luckau (Nr. 37), Seelow (Nr. 38), Senftenberg (Nr. 39) und Spremberg (Nr. 40)).
- Die evangelischen Kirchenbücher des Sprengels Eberswalde (Kirchenkreise Angermünde (Nr. 70), Bad Freienwalde (Nr. 71), Bernau (Nr. 72), Eberswalde (Nr. 73), Gransee (Nr. 74), Oranienburg (Nr. 75) und Prenzlau (Nr. 76), Ruppin (Nr. 77), Templin (Nr. 78) und Strausberg (Nr. 79)).
- Die evangelischen Kirchenbücher des Sprengels Potsdam (Beelitz-Treuenbrietzen (Nr. 80), Belzig-Niemegk (Nr. 81), Brandenburg (Nr. 82), Falkensee (Nr. 83), Havelberg-Wilsnack (Nr. 84), Jüterbog (Nr. 85), Kyritz-Wusterhausen (Nr. 86), Lehnin (Nr. 87), Luckenwalde (Nr. 88), Nauen (Nr. 89), Perleberg-Wittenberge (Nr. 90), Potsdam (Nr. 91), Pritzwalk (Nr. 92), Rathenow (Nr. 93), Wittstock (Nr. 94) und Zossen (Nr. 95)).
Einzelne Kirchenbücher wurden nicht verfilmt, dieses ist den Beiheften zum Archivbericht zu entnehmen, obwohl in einigen wenigen Fällen auch Bücher vorhanden sind, die in den Beiheften überhaupt nicht auftauchen. Ist festgestellt worden, daß ein Kirchenbuch nicht verfilmt wurde, muß man das heute zuständige Pfarramt ermittelt werden. Hierzu dient das:
Adressenwerk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Verzeichnis der Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Ämter, Dienststellen, Pfarrerinnen und Pfarrer. Nach dem Stand vom 15. März 2004. 1. Aufl. Berlin 2004.
Hier kann die Anschrift des Pfarrers des Kirchspiels ermittelt werden. Manche Gemeinden werden von Pfarrern oder Pfarrerinnen anderer Orte verwaltet, hier findet sich im Adressenwerk ein Verweis. In Einzelfällen haben sich die Zuständigkeiten verändert. Dies wird sich aber spätestens herausstellen, wenn man sich mit dem Pfarrer in Verbindung setzt. Oder man benutzt die online-Version des Adressenwerks.
Anmerkung: Dieser Text war bisher unter http://www.ogygia.de/info/info-kb.htm verfügbar und wurde seit 2002 wiederholt aktualisiert. Waren damals nur die Kirchenbücher weniger Kirchenkreise auf Microfiche verfügbar, so wurde die Verfilmung inzwischen abgeschlossen. Einen Überblick gibt jetzt:
STENZEL, Jürgen: Die Sicherungsverfilmung der Kirchenbücher aus dem Gebiet der Evangelischen Kirchen Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz. Berlin 2008. (= Archivbericht/ Beiheft Benutzerinformation Nr. 1).
Stenzel weist auch auf die in anderen kirchlichen Archiven vorhanden Kopien der Microfiche hin. So sind etwa im Domstiftsarchiv in Brandenburg die Fiche der Kirchenbücher der Kirchenkreise Brandenburg, Havelberg-Wilsnack, Belzig-Niemegk, Lehnin, Nauen, Rathenow und Potsdam einsehbar.
Die im Domstiftsarchiv befindlichen (aber inzwischen verfilmten) Originalkirchenbücher sowie sonstige Deposita können dem folgenden Verzeichnis entnommen werden:
BOROWSKI, Konstanze: Kurzübersicht über die im Domstiftsarchiv Brandenburg/ Havel deponierten Kirchenarchive unter besonderer Berücksichtigung der Kirchenbücher. [2. Aufl.] Berlin 2001. (= Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg. Archivbericht. Beiheft Nr. 23)
Eine aktualisierte Fassung dieses Verzeichnisses ist auch online verfügbar.
Zur Zeit läuft noch die Verfilmung der Kirchenbücher aus dem schlesischen Teil der Landeskirche, die hier aber nicht von Belang ist.
Militärkirchenbücher
Seit dem 18. Jahrhundert wurden die Taufen, Trauungen und in gewissen Maße auch Beerdigungen von Militärangehörigen zunehmend in gesonderten Kirchenbüchern erfaßt. Es sind aber keineswegs alle Eintragungen in den Militärkirchenbüchern erfolgt (z.B., wenn der Truppenteil im Felde war und Kinder getauft wurden) und umgekehrt finden sich auch Zivilpersonen darin. Militärkirchenbücher wurden entweder für bestimmte Einheiten oder bestimmte Garnisonen geführt.
Leider ist es oft ziemlich umständlich, einen bestimmten Eintrag zu finden; ohne Kenntnis des Truppenteiles oder von genauem Ort und Datum oft sogar unmöglich. Wenn man den Truppenteil kennt, sollte man zunächst mit folgenden Büchern arbeiten:
LYNCKER, Alexander v.: Die Altpreußische Armee 1714–1806 und ihre Militärkirchenbücher. Berlin 1937. (= Schriftenreihe der Reichsstelle für Sippenforschung 1)
LYNCKER, Alexander v.: Die Preußische Armee 1807–1867 und ihre sippenkundlichen Quellen. Berlin 1939. (= Schriftenreihe der Reichsstelle für Sippenforschung 2)
Hier kann man feststellen, ob zu Lynckers Zeit ein Militärkirchenbuch existierte oder in welchen anderen Kirchenbüchern Eintragungen des Truppenteiles erfolgten. Aber auch wenn man nur Geburtsort und -datum kennt, sollte man mit Lyncker beginnen. Mit Hilfe dieser Werke kann man ermitteln, welche Truppenteile zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort lagen. Empfohlen sei auch, in jedem Falle die Einleitungen bei Lyncker zu lesen.
Wenn man den Truppenteil dann identifiziert hat, läßt sich der heutige Aufbewahrungsort feststellen mit Hilfe von:
EGER, Wolfgang: Verzeichnis der Militärkirchenbücher in der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 1 (nach dem Stand vom 30. September 1990). Neustadt a/A. 1993. Bd. 2 (neue Bundesländer — Römisch-katholische Kirche) ebd. 1996. (= Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der Evangelischen Kirche 18 und 23)
Viele der Militärkirchenbücher im Geheimen Staatsarchiv in Dahlem und im Staatsarchiv Leipzig wurden übrigens von den Mormonen verfilmt.
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Familienforschung allgemein Posted By: Markus