La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Innere Distanz

Montag, 12. Juli 2010 9:25 am

Man schimpft ja gerne über die Deutsche Bahn, meist sicher zu recht. Was soll man davon halten, wenn laut Bahn am Ausfall der Klimaanlage in einem ICE, nach dem 9 Personen in’s Krankenhaus kamen, “die Kombination aus Hitze und hoher Fahrgastzahl” schuld sei und “die Klimaanlagen […] dieser doppelten Belastung nicht standgehalten” hätten (Zitate Berliner Zeitung).

Laut Tagesspiegel rät die Bahn in ähnlichen Fällen (also wohl immer dann, wenn zufällig der Sommer mit dem Beginn der Sommerferien zusammenfällt):

“Fahrgäste, die den Ausfall einer Klimaanlage in einem ICE erleben, sollten sich erkundigen, ob die Klimaanlage in einem anderen Teil des Zuges noch funktioniert. Es gibt Schilderungen von Fahrgästen über einen Vorfall vor einer Woche, nach denen das Bahnpersonal von sich aus nicht dafür sorgte, dass die Betroffenen auf andere Teile des Zuges verteilt wurden, wo die Klimaanlage noch lief. Ein Bahnsprecher sagte dazu, es liege im Ermessen des Personals, solche Entscheidungen zu treffen. Es solle dabei flexibel sein.”

Aber doch auch wieder nicht zu flexibel:

“Ob diese Flexibilität auch bedeutet, dass Fahrgäste im Notfall auch in die erste Klasse verlegt werden, beantwortete er ausweichend.”

Wie schreibt es die Berliner Zeitung so hübsch: Bei der Deutschen Bahn sei “eine gewisse innere Distanz zum Service-Gedanken” im Preis inbegriffen.

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Posted By: Markus

Gehen

Sonntag, 13. Juni 2010 9:47 pm

Dem heutigen Kalenderblatt des Deutschlandfunks zum 200. Todestag von Johann Gottfried Seume entnehme ich das folgende Zitat:

“Wo alles zu viel fährt, geht alles sehr schlecht, man sehe sich nur um! Sowie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt. Man kann niemandem mehr fest und rein ins Angesicht sehen, wie man soll. Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.”

Das damit damit mancher Autofahrer und Radfahrer gemeint sein könnte, liegt auf der Hand. Ob man es aber auch auf Bahnfahrer beziehen kann?

Bedenkenswert auch das Folgende:

“Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.”

Schließlich ist Gehen nicht nur gesund, sondern auch unübertroffen, was die CO2-Emissionen angeht.

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Posted By: Markus

Environmental Degree

Sonntag, 14. März 2010 9:32 pm

Heute bekam ich eine besonders lustige spam-e-mail mit dem Absender “Environmental Degree” (solardegree5@yanman.com), die vom spam-Filter nicht erkannt worden war (verständlich, denn das Vokabular ist nicht das, das von mir üblicherweise als spam eingestuft wird):

Get the Degree that is working TODAY - The “Green” Degree, for the Jobs of tomorrow (Solar, Wind, etc), Today. Your “Green” degree will qualify you for jobs in Solar Power, Wind Power & More (any field you have experience in.)

No Exams - No Studying - No Classes.

CALL NOW! 1 410 624 [xxxx]

Special safety notice, OK.Complies with SecurityComplies with SecurityThis will be good to discuss.

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Spreu und Weizen

Sonnabend, 14. Juni 2008 4:10 pm

Die Möglichkeit, über das Internet öffentliche Petitionen an den Bundestag heranzutragen, macht wahrscheinlich nur sichtbarer, mit welchem Unfug sich der Petitionsausschuß so beschäftigen muß.

Da sind die, die sich über die Bäume des Nachbarn ärgern, die über das eigene Grundstück ragen (41 Mitzeichner), die, die Wahlplakate verbieten lassen wollen (405 Mitzeichner), die, die Sommerzeit abschaffen wollen (2639 Mitzeichner), oder die, die eine Unterstützung des Bundes für die Bob-Weltmeisterschaft 2008 fordern (20 Mitzeichner). Und die Republikaner versuchen, aus der allgemeinen Ablehnung der Bahnreform Gewinn zu ziehen (3380 Mitzeichner).

Dann gibt es auch noch einen Herrn Kolbatz, der der Meinung ist, der Klimawandel würde durch Nachrichtensatelliten und andere Sendeanlagen verursacht. Die von ihm so genannte “Kolbatz-Theorie”, die er auch unter http://www.klimaforschung.net verbreitet, hat er auch an den Bundestag herangetragen (82 Mitzeichner).

Der Petitionsausschuß scheint aber trotzdem in der Lage zu sein, die Spreu vom Weizen zu trennen. So hat er die Petition gegen den Einsatz von Wahlcomputern (29973 + 15153 Mitzeichner), als Material an die Bundesregierung überwiesen und den Fraktionen zur Kenntnis gegeben. Und die Bobbahn in Altenberg hat zwar nicht die geforderten 5 Millionen, aber doch 1,185 Millionen bekommen. Die Anzahl der Unterzeichner ist also offenbar kein aussschlaggebendes Kriterium. Das läßt hoffen, daß die Pettion zur Halbierung der Besteuerung von Diesel und Benzin (bisher 93837 Mitzeichner) keinen Erfolg haben wird.

Man möge sich nicht wundern, wenn die links nicht alle gleich funktionieren. Denn unter http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/onlinepet/server.html kann man z.Z. lesen:

Aufgrund von technischen Schwierigkeiten kann es beim Aufrufen der  einzelnen Petitionen sowie beim Aufrufen der verschiedenen Foren immer wieder zu Verzögerungen kommen.

Wir bitten dies zu entschuldigen.

Der Bundestag hat bereits eine Neuentwicklung der Software ausgeschrieben, die diesen Misstand im Herbst beheben wird. Die bestehende Anwendung ist Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Die jetzige Software war für den Modellversuch konzipiert. Aufgrund der außerordentlichen Resonanz der Öffentlichen Petition ist die Software jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt.

Eigentlich ja ein Grund, sich zu freuen. Wann erlebt man es sonst schon einmal, daß der Bundestag etwas hervorbringt, das Opfer seines eigenen Erfolges wird?

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Posted By: Markus

Ach ja, die Deutsche Bahn

Mittwoch, 4. Juni 2008 6:52 am

Es ist schon bemerkenswert, zu welchen Gefühlswallungen die Deutsche Bahn immer wieder und in allen Bevölkerungskreisen führt.

Manche Leute schreiben ihren Frust nicht in ihr eigenes blog, sondern werden ihren Ärger einfach mal in einem Forum über analoge Photographie los, wie hier: http://www.aphog.de/forum/viewtopic.php?t=4960 oder auch hier: http://www.aphog.de/forum/viewtopic.php?t=4977

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Posted By: Markus

Maréchal, nous voilà

Montag, 26. Mai 2008 3:33 pm

In dem Film “Les Choristes” (”DIe Kinder des Monsieur Mathieu”) gibt es eine Szene, in der einer der Schüler beim Vorsingen das Lied “Maréchal, nous voilà” anstimmt und M. Mathieu darauf mit “”un peu demodé” antwortet. In der deutsch synchronisierten Fassung lautet die Antwort “Ein wenig aus der Mode”, aber der Liedtext wird nicht übersetzt. Wie soll der normale deutsche Zuschauer das verstehen? Wäre es nicht vielleicht logischer gewesen, den Jungen auf Deutsch “Die Straße frei” anstimmen zu lassen? Oder sollte man Filme nur in der Originalfassung sehen? Aber dann müßte ich in Zukunft darauf verzichten, indische Monumentalfilme anzuschauen.

Als ich im Internet so herumsuchte, stieß ich auch auf eine Seite, die sich der Verteidigung des Maréchal Pétain widmet.

Aber huch, darf ich denn nun eigentlich einen link auf diese Seite anbringen? Dies nicht zu tun, finde ich albern und habe die Seite dementsprechend auch verlinkt. Denn jeder, der bei google nach Maréchal Pétain sucht, findet sie. Nach eigener Auskunft widmet sich die Seite ausschließlich der historischen Verteidigung des Maréchal Pétain und außerdem distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von den Inhalten. Wer übrigens die deutsche Fassung benutzen will, wird wenig davon haben, denn die ist weitgehend unverständlich, da sie offenbar mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes erstellt wurde. Wie könnten sonst solch Sätze wie “Die Mutter von Philippe meurt in 1858, nachdem an der Welt ein fünftes Kind gestellt zu haben”, oder “Fast Hundertjahrfeier hat er Bonaparte gedient dann das Imperium, und die Erzählung seiner Kampagnen schmiedet das erdachte von einem empfindlichen Kind, dessen Geist durch die Katastrophe von 1870 und den Revanchewillen getroffen wird, der daraus auftauchen wird”, zustande kommen?

Die Frage übrigens, ob es erlaubt sei, Pétain zu verteidigen, hat 14 Jahre lang französische und europäische Gerichte beschäftigt, nachdem 1984 in Le Monde eine Anzeige veröffentlicht worden war. die die Verteidigung Pétains zum Ziel hatte. 1998 entschied schließlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, daß dies unter die freie Meinungsäußerung fiele.

Ein wichtiger Grund für die Entscheidung war, daß der französische Staat Organisationen wie die “Association pour Défendre la Mémoire du Maréchal Pétain” keineswegs verboten hat, und er demzufolge auch nicht einschreiten könnte, wenn diese Organisationen versuchten, ihr Ziel, nämlich die Verteidigung Pétains, zu erreichen.

Für den Historiker wichtiger ist aber die Tatsache, daß es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nicht als seine Aufgabe ansieht, in historischen Debatten Stellung zu beziehen, solange die vorgebrachten Tatsachen nicht offensichtlich falsch seien:

“La Cour estime qu’il ne lui revient pas d’arbitrer cette question, qui relève d’un débat toujours en cours entre historiens sur le déroulement et l’interprétation des événements dont il s’agit. A ce titre, elle échappe à la catégorie des faits historiques clairement établis – tel l’Holocauste – dont la négation ou la révision se verrait soustraite par l’article 17 à la protection de l’article 10. En l’espèce, il n’apparaît pas que les requérants aient voulu nier ou réviser ce qu’ils ont eux-mêmes appelé, dans leur publication, les ‘atrocités’ et les ‘persécutions nazies’, ou encore la ‘toute-puissance allemande et sa barbarie’. En qualifiant de ’suprêmement habile’ la politique de Philippe Pétain, les auteurs du texte ont plutôt soutenu l’une des thèses en présence dans le débat sur le rôle du chef du gouvernement de Vichy, la thèse dite du ‘double jeu’.”

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Posted By: Markus

Lehrter Bahnhof

Sonnabend, 17. Mai 2008 9:21 am

Vor einigen Jahren wurde der Lehrter Bahnhof in Berlin entgegen dem Willen der Bevölkerung von den Herren Strieder und Mehdorn offiziell in Hauptbahnhof umbenannt, was oft zu Mißverständnissen führt, weil viele Berliner unter Hauptbahnhof den jetzigen Ostbahnhof verstehen. Außerdem kann es in einer Weltstadt wie Berlin logischerweise gar keinen Hauptbahnhof geben, weil die meisten Reisenden gar nicht in’s Zentrum wollen, sondern z.B. nach Spandau, zum Ostbahnhof oder zum Zoo. Da hilft es auch nichts, die Züge am Zoo durchfahren zu lassen, so daß die Fahrgäste anschließend mit der S-Bahn wieder zurückfahren müssen.

Aber nicht nur, daß viele Berliner weiterhin vom Lehrter Bahnhof sprechen, in Nürnberg steht dies auch offiziell so auf der Anzeigetafel:

Dies noch als Nachlese von meiner Nürnberg-Reise am 13. Dezember 2007.

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Posted By: Markus

Wieso dürfen die das?

Sonntag, 2. Dezember 2007 9:13 pm

Wie schon kürzlich bin ich heute wieder über den Neuen Garnisonfriedhof am Columbiadamm spaziert. Jetzt, kurz nach dem 11. November und dem Volkstrauertag lagen dort auch verschiedene Kränze und Gestecke, z.B. am Denkmal für die in den Schlachten von Großbeeren und Dennewitz gefallenen französischen und preußischen Soldaten:

Das linke Gesteck ist in den Berliner Farben gehalten, was auf dem Bild schlecht zu erkennen ist. Auf der Schleife des rechten Gesteckes steht “Aux morts” und “A.C.R.B.”, “RK 05″ und “France”. Keine Ahnung, was die Abkürzungen bedeuten.

Auch am Denkmal “À la memoire des soldats français décédés à Berlin 1870-71″ ein Gesteck:

Auf den ersten Blick ist auch auf diesem Bild nichts Besonderes zu sehen:

Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man, wer da mit am Werk war:

Und man fragt sich prompt, wieso dürfen die das? Wieso dürfen die, die sich in der Nachfolge derer sehen, die Millionen Menschen in Tod geschickt haben, auf einem landeseigenen Friedhof ein Gesteck niederlegen? Von “ehrenvoller Achtung” kann da wohl nicht die Rede sein, sondern nur von Menschenverachtung.

Irgendwer muß doch für dieses Denkmal zuständig sein, sei es das Bezirksamt Neukölln oder der Volksbund, und das Recht haben, bestimmten Personen und Personenkreisen zu untersagen, dort Kränze niederzulegen bzw. diese zu entfernen. Öffentlich bekannt ist die Sache ja, denn es wurde darüber auch im Tagesspiegel berichtet.

Zwar ist die NPD offiziell keine verfassungsfeindliche Organisation und sitzt in Neukölln sogar in der Bezirksverordnetenversammlung, aber vielleicht wäre es generell kein schlechter Gedanke, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der parteipolitischen Sphäre zu entheben? Es muß doch möglich sein, in der Friedhofssatzung zu bestimmen, daß an den entsprechenden Denkmälern Kränze und Gestecke mit Schleifen nur von staatlichen Institutionen, dem Volksbund, der Bundeswehr, Kirchen und anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts, diplomatischen Vertretungen sowie Privatpersonen niedergelegt werden dürfen. Und die Berechtigung zur Abhaltung von Gedenkfeiern könnte man auf staatliche Institutionen, Volksbund, Bundeswehr, Kirchen und andere Körperschaften des öffentlichen Rechts und diplomatische Vertretungen beschränken.

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Posted By: Markus

“Als Zweite von uns Dreien”

Sonnabend, 3. November 2007 7:46 pm

Viel mehr war gestern zunächst auf den drei Grabsteinen dieser Grabstätte auf dem Berliner Neuen Garnisonfriedhof am Columbiadamm nicht zu lesen:

Die Worte machten mich aber neugierig. Nach dem Wegräumen von ein wenig Laub ließen sich die Texte auch vollständig lesen, so auf dem ersten Grabstein:

Hier ruht in Gott unsere liebe unvergeßliche Schwester Beppina Tominich geb. Zampa. Berlin 1973.

Und auf dem Zweiten:

Als Zweite von uns Dreien hat Gott nun auch meine Schwester Wilma Naumann geb. Zampa abberufen. Sie entschlief am 3 Nov. des gleichen Jahres. Berlin 1973.

Schließlich auf dem Dritten:

Hier ruht in Frieden Maria die Letzte der Familie Zampa. Berlin 1982.

Zusammen wirken diese drei Texte zwar ein wenig skurril, haben aber im Unterschied zu vielen anderen furchtbar nichtssagenden und einfallslosen Grabsteininschriften etwas recht Persönliches und lassen manche Frage entstehen: Warum erfährt man so gar nichts über die Männer der beiden zuerst verstorbenen Schwestern? Warum ruht Beppina in Gott, Maria aber in Frieden? Was heißt “die letzte der Familie Zampa”? Und wer kümmert sich dann um das offensichtlich gepflegte Grab?

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Posted By: Markus

Aus deutschen Amtsstuben (XXIV)

Sonnabend, 27. Oktober 2007 11:10 pm

Einen Eintrag im blog der Grünen Jugend fand ich so schön, daß ich ihn auch hier noch einmal wiedergeben will. Es handelt sich um die folgende Frage des Abgeordneten Alexander Bonde von Bündnis 90/ Die Grünen:

Wie viele Rollen Toilettenpapier wurden bisher von den 800 Millionen Rollen verbraucht, die nach der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Bundestagsdrucksache 16/6160) im Jahr 2006 im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung erworben wurden, und zu welchen Zwecken wurde es verwendet?

Und hier die Antwort der Bundesregierung:

Die in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Bundestagsdrucksache 16/6160) angegebenen Verbrauchszahlen an Toilettenpapier und Handtüchern sind aufgrund eines Übermittlungsfehlers nicht richtig dargestellt worden. Bei der telefonischen Übermittlung der Daten an das Bundesministerium des Innern wurde von unterschiedlichen Gebindegrößen (Rolle-Blatt, Blatt-Packung) ausgegangen. Nach der korrekten Umrechnung ergibt sich ein Verbrauch von 5 300 000 Rollen (800 Mio. Blatt) Toilettenpapier und 350 Mio. Blatt Papierhandtücher. Damit errechnet sich ein Verbrauch an Toilettenpapier von 8,8 Blatt je Mitarbeiter und Arbeitstag. Ein sehr geringer Teil der Handtücher wird auch für Reinigungszwecke verwendet.

Der Abgeordnete Bonde hatte weiterhin folgende Frage gestellt:

Welchen Bedarf legt das Bundesministerium der Verteidigung pro Kopf und Arbeitstag bei der Bevorratung mit Toilettenpapier zugrunde, und gibt es unterschiedliche Bedarfe in den Bereichen zivile Angestellte, militärisches Personal und Ministerium?

Und die von viel Pragmatismus zeugende Antwort:

Es wird in der Bedarfsermittlung nicht nach Organisationsbereichen oder Statusgruppen differenziert, sondern von den Erfahrungswerten der Vorjahre ausgegangen.

Aber ich denke, es gibt hier durchaus noch Regelungsbedarf. Denn die Frage

Ist die Verwendung oder Bevorratung von Toilettenpapier durch Richtlinien oder Zentrale Dienstvorschriften geregelt?

wurde meines Erachtens höchst unbefriedigend beantwortet:

Für die Verwendung oder Bevorratung von Toilettenpapier gibt es keine Vorschrift oder Richtlinie.

Da könnte ja dann doch jemand auf die Idee kommen, 800 Millionen Rollen zu bestellen, nur weil er vielleicht einen höheren Rabatt aushandeln kann. Dann könnte die Bundeswehr nach den Erfahrungswerten der Vorjahre mehr als 100 Jahre von diesem Vorrat zehren. Oder es kommen Zeiten, wo die Anzahl der Soldaten wieder stark ansteigt. Und im Krieg sind Durchfallerkrankungen ja nichts seltenes.

Den Text im Original findet man hier auf S. 33. Die Grünen Jugend hat das Ganze übrigens auch nicht selber gefunden, sondern im Spiegel. Da sich aber mein Firefox seit kurzem weigert, die Internetseiten des Spiegel anzuzeigen, bin ich ihr dafür ganz dankbar.

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Posted By: Markus
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