La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Onkel Otto (166)

Sonnabend, 30. Dezember 2006 10:43 am

Heute ist der 166. Geburtstag meines Urgroßonkels Otto Wenzel, der am 30. Dezember 1840 in Crossen an der Oder geboren wurde und am 7. Februar 1929 in Berlin-Friedenau starb. Leider ist es mir bisher versagt geblieben, eine umfassende Biographie Onkel Ottos zu verfassen. Ich will aber nicht versäumen, heute den Nachruf von Monty Jacobs in meinem blog zu veröffentlichen, der in der Nummer 65/1929 der Vossischen (Abendausgabe vom 7. Februar 1929) erschien:

Dr. Otto Wenzel +

Nicht der Grippe ist er erlegen, der “alte Wenzel”, der Grippe, deren Bekämpfung durch Rotwein er noch vor wenigen Tagen durch sein praktisches Beispiel befürwortet hat. Ein Schlaganfall hat ihn heute niedergestreckt, und seinen Freunden ist es ein Trost, daß der 88jährige schmerzlos, von allen bösen Plagen des Siechtums verschont, entschlafen ist. Der “alte Wenzel”, so nannten ihn seine Kollegen aus beiden Lagern seiner Berufsgenossenschaft, die Chemiker wie die Journalisten. Aber bei jeder Begegnung mußtem sie ihrem Senior ohne Schmeichelei bestätigen, wie jung, wie elastisch er durch Berlins Straßen schritt. Dieser schlanke Herr mit dem gütigen Gelehrtenkopf schien nun einmal der Zeit zu spotten, aber keineswegs prahlerisch, durchaus nicht kokett, sondern als ob es etwas Selbstverständliches wäre, daß ein Zeitgenosse Lasalles auch unser Zeitgenosse wäre. Er antwortete höchstens mit seinem Diplomatenlächeln, als ob er sagen wollte: Seht zu, ihr jungen Leute, wie ihr es fertig bringt, mit nachzueifern.

Als Journalist hatte Otto Wenzel angefangen, in Guido Weiß’ Zukunft und in der alten Spenerschen Zeitung. Als Freiwilliger war er mitmarschiert in den Feldzug von 1870 hinein. Nach der Heimkehr hatte er, der akademischen Ausbildung nach ein Mathematiker, sich der chemischen Industrie zugewandt. Ihre Berufsgenossenschaft hatte er gründen helfen, und Jahrzehnte lang war er ihr Direktor, gleichzeitig der Generalsekretär des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie. Aber immer wieder führte ihn seine Neigung der Schriftstellerei und den Schriftstellern zu. Als Assistent von Georg Siemens leitete er das statistische Büro der Deutschen Bank. Damals schrieb er eine “Geschichte der sozialen und kommunistischen Bewegungen”, und in einer Reihe von Fachschriften hat er seinen chemischen Berufsgenossen wichtige Nachschlagswerke geschaffen. Den Journalisten aber blieb er ein Freund und seiner ganzen Sinnesart nach konnte sich Freundschaft nur durch praktisches Helfen erweisen. In diesem Sinne war er dem Verein Berliner Presse ein Freund. Jahrzehnte hindurch verwaltete er als Schatzmeister die Finanzen des Vereins, und im Vorstand wie in den Versammlungen, die er mit vorbildlichem Eifer besuchte, blieb seine Autorität so ungeschwächt wie seine Rednerstimme. Selbst ein Straßenunfall konnte ihn an der Ausübung seines letzten Ehrenamtes nicht verhindern, als er bereits das 88. Lebensjahr vollendet hatte.

Daß die philosophische Fakultät der Universität Greifswald ihn am 80. Geburtstag zum Ehrendoktor ernannt hat, war der Ausdruck der allgemeinen Achtung und Wertschätzung, die Otto Wenzel genoß. Die Generation, die mit seinen Nerven ungefochten die Jahrzehnte überdauerte, stirbt allmählich aus. Als ihr Repräsentant wird der Ehrenmann und Ehrendoktor Otto Wenzel noch lange lebendig bleiben, wenn seine Berufsgenossen den Rat eines Alters vermissen werden, das seine Erfahrungen nicht durch Versteinerung erkauft hat.

Trotz dieses schönen Nachrufes kann sich der Historiker in mir nicht versagen, anzumerken, daß die Verleihung der Ehrendoktorwürde nicht zum achtzigsten Geburtstag erfolgte, sondern erst am 25. Juli 1922. Monty Jacobs verstarb übrigens einen Tag vor Onkel Ottos 105. Geburtstag in London.

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling
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Meldung aus dem Archiv

Donnerstag, 28. Dezember 2006 2:44 pm

Ich forsche gerade im Kirchlichen Archivzentrum am Bethaniendamm und die bei der Durchsicht der Mahlsdorfer Kirchenbücher gewonnenen Ergebnisse sind wohl kaum von allgemeinem Interesse. Aber als ich eben von meinem Microfiche-Lesegerät aufsah, tummelten sich draußen die ersten Schneeflocken, die ich diesen Winter gesehen habe! Das ist doch einen Bericht wert! Ob es gegen vier Uhr, wenn ich nach Hause gehe, auch noch schneit?

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Familie Heßling (IV)

Mittwoch, 27. Dezember 2006 4:50 pm

Arthur Heßling wurde am 9. Mai 1841 in Leipzig als viertes Kind von Johann August Gottfried Heßling und Maria Louise Löwe geboren. 1871 war er Kohlenagent in Leipzig, 1874 Ökonom (also Landwirt) zu Voigtshain. Am 29. September 1874 heiratete er in Kösseln am Petersberg Pauline Ida Franziska Schmidt, geboren in Großörner am 25. Dezember 1848, Tochter des Carl Heinrich Schmidt, Gutsbesitzer in Großörner, und der Johanna Dorothea Christiane geb. Damroth.

Gesucht werden jegliche Informationen zum Verbleib und zu eventuellen Kindern des Ehepaares.

Abgelegt unter: Dies und das, Familienforschung Röhling
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Aus deutschen Amtsstuben (V)

Mittwoch, 27. Dezember 2006 4:34 pm

Alte Dokumente sind nicht immer einfach zu entziffern, und daher gibt es in den meisten Archiven die Möglichkeit, Reproduktionen zu bestellen, damit man weniger Zeit vor Ort braucht und die Dokumente zu Hause transkribieren kann. Meist klappt dieses Verfahren auch ganz gut und man hat nach mehr oder minder langer Wartezeit einen Stapel Kopien zu Hause, den man dann in Ruhe bearbeiten kann.

Schwierig macht es einem dabei allerdings die Abteilung Dessau des Landeshauptarchives Sachsen-Anhalt. Aus praktischen Gründen wurden dort bei einem Kopierauftrag zuerst alle rechten und dann alle linken Seiten eines Bandes kopiert. So weit, so gut. Dumm nur, daß auf den linken Seiten keine Blattzahlen zu finden sind, denn die stehen ja nur auf der Vorderseite. Bei Namenslisten gibt es auch keinen inhaltlichen Zusammenhang, mit dem man die Seiten in die richtige Reihenfolge bringen könnte.

So blieb mir nichts anderes übrig, als heute die Kopien wieder nach Dessau zu schicken, mit der Bitte, sie mir in der richtigen Reihenfolge zurückzusenden.

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling
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Aus deutschen Amtsstuben (IV)

Dienstag, 26. Dezember 2006 8:18 pm

Wußte schon jemand, daß es in Deutschland eine “Verordnung über Margarine- und Mischfetterzeugnisse” gibt? Um Sätze wie

“Die Vorschriften dieser Verordnung gelten für die Durchführung der Rechtsakte der Europäischen Gemeinschaften über die Normen für Streichfette mit Ausnahme der Milchstreichfette.”

oder

“Für Margarine- und Mischfetterzeugnisse sind die in der Anlage und den in § 1 genannten Rechtsakten genannten Bezeichnungen Verkehrsbezeichnungen im Sinne der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung.”

zu verordnen, müssen immerhin drei Minister gleichzeitig tätig werden und der Bundesrat muß zustimmen. Übrigens: Margarineschmalz wird auch als Schmelzmargarine bezeichnet, Mischfettschmalz auch als Schmelzmischfett.

Abgelegt unter: Politik, Gefunden
Posted By: Markus

Aus deutschen Amtsstuben (III)

Dienstag, 26. Dezember 2006 3:14 pm

Am 21. Dezember 2006 habe ich etwas zum Verlust des Stadtarchives in Belzig geschrieben. Mir fiel jetzt noch ein Schreiben des Rates des Kreises Belzig aus dem Jahre 1985 in die Hand, in dem dieser lapidar mitteilt “daß hier keine Unterlagen vorliegen”:

Für den Anfragenden hilfreicher wäre es natürlich gewesen, ihm mitzuteilen, daß das Stadtarchiv verbrannt sei, damit er nicht weiter nach dem Verbleib der einschlägigen Unterlagen forscht. Das wäre für ein Amt aber wahrscheinlich zu viel verlangt. Auch sonst wird einem ja meist nur mitgeteilt, daß man dort nicht zuständig sei, aber nicht, an wen man sich stattdessen wenden muß.

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling, Familienforschung allgemein
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Trümmersterne (Weihnachten familiengeschichtlich)

Sonntag, 24. Dezember 2006 1:28 pm

Das folgende Bild zeigt zwei sogenannte “Trümmersterne”, gebastelt für das Weihnachtsfest 1945 aus Zigarettenpapier, nachdem mein Vater mit seiner Familie aus Hohenkränig (Kreis Königsberg Neumark) nach Kellinghusen (Holstein) geflüchtet war, und seitdem alljährlich am Weihnachtsbaum befestigt.

Soweit der Bericht vom Weihnachtsbaumschmücken.

Abgelegt unter: Dies und das, Familienforschung Röhling
Posted By: Markus

Lebkuchenherz (Weihnachten politisch)

Sonntag, 24. Dezember 2006 10:57 am

Vorgestern habe ich zwischen Kerzen- und Weihnachtsbaumkauf noch kurz die Teilnahme an einer Aktion vor der EnBW-Repräsentanz in Berlin eingeschoben, die sich gegen den Antrag der EnBW auf Laufzeitverlängerung für das Kernkraftwerk Neckarwestheim I wandte. Dabei wurden auch die folgenden Lebkuchenherzen verteilt:

Abgelegt unter: Politik
Posted By: Markus

Gentests

Sonnabend, 23. Dezember 2006 4:06 pm

Ein Gewaltverbrechen? Erbkrankheiten? Schon wieder etwas Politisches, zur unkontrollierten Speicherung des “genetischen Fingerabdrucks” durch Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste oder zu Gentests von Bewerbern zur Abschätzung ihres individuellen Krankheitsrisikos? Keineswegs, sondern es soll heute hier um die Möglichkeiten gehen, die genetische Tests für die Familienforschung bieten.

Bei diesen Tests, die von verschiedenen Anbietern durchgeführt werden, geht es gerade nicht um den individuellen “Fingerabdruck” einer einzelnen Person, sondern um die Merkmale, die verschiedenen verwandten Personen gemeinsam sind. Dies kann entweder in der rein väterlichen Linie durch den Vergleich einzelner Abschnitte des Y-Chromosoms oder in der rein mütterlichen Linie durch den Vergleich einzelner Abschnitte der mitochondrialen DNS geschehen. Als Ergebnis der Tests lassen sich Wahrscheinlichkeitsaussagen darüber gewinnen, ob und wie weit zwei Testpersonen biologisch miteinander verwandt sind. Dies ist natürlich besonders dann interessant, wenn es aufgrund fehlender schriftlicher Quellen nicht möglich ist, weiter zurückzuforschen.

Über die im Rahmen der Erforschung der verschiedenen Röhling-Familien durchgeführten Tests habe ich bereits anderweitig eine kurze Zusammenfassung in’s Netz gestellt. Heute kam das Ergebnis eines weiteren Testteilnehmers, das aber momentan keine bahnbrechenden Ergebnisse im Hinblick auf die Verwandtschaft der verschiedenen Röhling-Familien bringt. Um weitere Ergebnisse zu erhalten, werden v.a. neue Testteilnehmer benötigt.

Die Test ermöglichen aber nicht nur Aussagen über die Verwandtschaft zweier getester Personen, sondern auch darüber, zu welcher Bevölkerungslinie (Haplogruppe) eine Familie gehört. So gehört die Familie Röhling aus Waldau bei Bernburg an der Saale (also meine) der Bevölkerungslinie R1b1 an. Das ist die häufigste Haplogruppe in Europa, die sich vermutlich dort verbreitet hat, nachdem Europa vor zehn- bis zwölftausend Jahren nach der letzten Eiszeit wieder besiedelt wurde. Manche meinen, von der iberischen Halbinsel aus. Die Verbreitung der Haplogruppe läßt sich auch graphisch darstellen.

Eine wirklich guten und umfassenden Text zur genetischen Familienforschung in deutscher Sprache habe ich bisher noch nicht gefunden. Daher verweise ich vorläufig auf Wissenschaft im Brennpunkt, eine Sendung des Deutschlandfunks, und die englische Wikipedia.

In den Augen mancher ist das ganze nun politisch nicht korrekt. Ob nun politisch oder nicht, ich finde es jedenfalls interessant. Und was ist politisch inkorrekt? Historische Forschung zu betreiben, deren Ergebnisse manchem nicht gefallen? Oder Waffenbesitz zu erlauben, aber den Besitz von foie gras zu verbieten, wie es einige amerikanische Bundesstaaten planen?

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling, Familienforschung allgemein
Posted By: Markus

Belzig, oder eine verpaßte Chance für die Familienforschung

Donnerstag, 21. Dezember 2006 3:29 pm

Das folgende Bild, vermutlich aus dem Jahre 1927, stammt von einer Herbstfahrt des Schülerbibelkreises in Steglitz, an der mein Vater teilnahm. Es zeigt Rathaus und Markt in Belzig (Hoher Fläming).

Mein Vater wußte damals nicht, daß er Vorfahren in Belzig hatte, die dort mehr als 150 Jahre vorher gelebt hatten, und wahrscheinlich würde ihn dies auch nicht besonders interessiert haben. Schade, aber nicht zu ändern. Wieso? Denn das nächste Bild, von mir am 30. Mai 2004 aufgenommen, sieht doch auf den ersten Blick sehr ähnlich aus.

Wer genauer hinsieht, wird aber feststellen, daß es einige kleine Unterschiede gibt. Nachdem das Rathaus 1972 niedergebrannt war, wurde es 1989–1991 wiederaufgebaut, aber natürlich nur die Hülle. Das im Rathaus untergebrachte Stadtarchiv wurde leider hingegen fast vollständig ein Raub der Flammen. So ist nur sehr wenig über die in Belzig lebenden Vorfahren bekannt. Die dort vorkommenden Namen sind Koppe, Schmidt und Schwager. Die Familie Koppe stammte aus Niemegk, 2 3/4 Stunden südöstlich von Belzig, die Familie Schwager eventuell aus dem 9 Stunden südwestlich von Belzig gelegenen Zerbst. Auch die Familie Schmidt ist zugewandert, aber woher, darüber schweigen die Kirchenbücher, und das Stadtarchiv ist weg.

Was folgern wir aus all dem? Der Familienforscher sollte jede Gelegenheit zur Forschung wahrnehmen und seine Ergebnisse dann auch zeitnah publizieren. Ich werde demgemäß mein Bestes tun, mich entsprechend zu ändern, insbesondere, was das Veröffentlichen angeht. Es ist ja jetzt auch die Zeit für gute Vorsätze.

Abgelegt unter: Brandenburg, Familienforschung Röhling
Posted By: Markus
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