Sonnabend, 24. Februar 2007 12:37 pm
… nicht nur am Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) in Berlin, wo bei Stürmen tonnenschwere Stahlträger hinabstürzen, sondern im gesamten Netz der Deutschen Bahn. Dies geht aus dem Entwurf eines Berichtes des Bundesrechnungshofes an den Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages hervor, den die Wirtschaftswoche hier zusammenfaßt. Darin werden nicht nur die für jeden Bahnfahrer offensichtlichen Langsamfahrstellen und Mängelstellen kritisiert, sondern auch sicherheitsrelevante Mängel. So kam es bereits zu einer Entgleisung, weil durch eine nicht funktionsfähige Heißläufer- und Festbremsortungsanlage ein Schaden nicht entdeckt werden konnte.
Aber nicht nur bei der Deutschen Bahn bröckelt es, sondern auch bei der BVG. Am Freitag wurde der U-Bahnhof Südstern aus Sicherheitsgründen für einige Stunden gesperrt, nur ein Symptom für den erheblichen Sanierungsbedarf im Berliner U-Bahn-Netz. Bei der BVG dasselbe Problem wie bei der Deutschen Bahn: Der Unterhalt des Gleisnetzes und die unternehmerische Verantwortung für den Zugverkehr sind nicht klar getrennt und so werden die für den Unterhalt des Gleisnetzes bestimmten öffentlichen Mittel und Nutzungsentgelte umgeleitet, um anderswo Löcher zu stopfen. Das Gleisnetz wird dann auf Verschleiß gefahren, bis entweder Strecken stillgelegt werden oder die öffentliche Hand ein zweites Mal für die Sanierung bezahlt.
Bei der BVG bietet dieses Verfahren noch folgenden Vorteil: Der Senat zahlt nicht genug Geld für den Unterhalt des Netzes an die BVG sondern baut lieber neue Straßen (die er dann auch noch unterhalten muß, obwohl er nicht einmal das jetzige Straßennetz vernünftig instandhält), kann dies aber aufgrund der undurchsichtigen Finanzbeziehungen zwischen Netz und Betrieb mehr oder weniger verstecken.
Man fragt sich, wie dick der Filz zwischen Verkehrsministerium und Deutscher Bahn eigentlich ist, wenn Herr Mehdorn immer noch am Ruder sitzt und sein Vertrag sogar angeblich bis 2012 verlängert werden soll. In jedem wirklich privatwirtschaftlichen Unternehmen hätte er längst seinen Job verloren. Denn den von der Bahn ausgewiesenen Gewinn gibt es in Wirklichkeit gar nicht, sondern er kommt allein dadurch zustande, daß das Netz nicht genügend unterhalten wird.
Dies ist auch der Hintergedanke von Mehdorn und Tiefensee bei der Privatisierung der DB einschließlich des Streckennetzes. Der Steuerzahler zahlt für den Unterhalt des Streckennetzes an die DB und finanziert damit in Wirklichkeit die Gewinne der privaten Investoren. Irgendwann stellt sich dann heraus, daß es unvorherbaren Sanierungsbedarf gibt, und der Steuerzahler darf noch einmal zahlen.
Wenn hier nicht bald umgesteuert wird, sind womöglich englische Zustände zu befürchten.
Ach ja: Der abgestürzte Stahlträger, der lediglich dekorative Funktion hat, ist innerhalb von drei Wochen durch einen neuen ersetzt worden. Auf die Beseitigung vieler Langsamfahr- und Mängelstellen warten die Fahrgäste teilweise seit vielen Jahren.
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Verkehr Posted By: Markus