Mittwoch, 21. März 2007 9:39 pm
Onkel Albert war ein Bruder meines Großvaters Ernst Röhling. Die beiden kann man auf dem nachfolgenden Bild sehen, das etwa 1876 aufgenommen wurde. Es ist übrigens das einzige Bild von Onkel Albert, das ich besitze.
Der ältere (links) ist Onkel Albert, der am 7. August 1870 als Albert Erdmuth August Röhling in Schönfeld bei Crossen an der Oder geboren wurde. Seine Eltern (und meine Urgroßeltern) waren Albert Röhling, zu der Zeit Wirthschafts-Administrator in Schönfeld, und dessen Ehefrau Adelheid Röhling geb. Wenzel. Kurze Zeit später pachtete der Vater die fürstlich hohenzollern-sigmaringische Domäne Wasserhof in Sternberg in der Neumark. Dort wurden noch zwei Geschwister geboren, nämlich am 13. Mai 1872 mein Großvater Ernst und am 29. April 1873 Tante Frieda, später verehelichte Plass. Im Alter von 32 Jahren starb am 25. Dezember 1874 in Sternberg die Mutter Adelheid geb. Wenzel an Schwindsucht.
Die Pachtung des Gutes Wasserhof hatte von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden, da Milzbrand im Viehbestand vorhanden war. Einige Mißernten kamen hinzu und schließlich mußte der Vater Albert Röhling im Jahre 1881 Konkurs anmelden. Viele Details über die Pachtung sind bekannt, doch hier geht es ja um den Sohn, nicht den Vater.
Bis zum Konkurs des Vaters dürfte Albert Röhling in Wasserhof gelebt haben. Auf dem Gut lebten neben Vater und Geschwistern zumindest zeitweilig auch die Großmutter Adelheid Wenzel geb. Billeau und eine Schwester der Mutter. Vormund war nach dem Tode der Mutter der in Berlin wohnende Onkel Otto Wenzel geworden. Was nach dem Konkurs aus dem jungen Albert Röhling wurde, ist unbekannt. Möglicherweise wuchs er wie sein Bruder Ernst bei Otto Wenzel auf, es ist aber auch denkbar, daß er zu anderen Verwandten kam. Der Vater heiratete am in Falkenhain bei Wurzen am 4. September 1884 erneut, und zwar seine Cousine Lucy Heßling. Zu dieser Zeit hatte er wieder ein Gut gepachtet, das Vorwerk Wilhelmswalde, daß zum Rittergut Auer im Kreis Mohrungen in Ostpreußen gehörte. Ab 1889 bis zu seinem Tode im Jahre 1908 wohnte er dann in Kötzschenbroda bzw. Naundorf, beide nördlich von Dresden an der Elbe gelegen.
Die nächste gesicherte Nachricht über Onkel Albert stammt erst aus dem Jahr 1897, als er in am 4. Oktober in New York Christiana (Christina) Dorothea (Dora, Dorothy) Margaretha Bär (Baer) heiratete, die am 9. Mai 1871 in Marktbreit in Unterfranken geboren war. Zum Zeitpunkt der Eheschließung wohnte der Bräutigam 212 E 11 Street und die Braut 332 E 14 Street. Auch aus dem weiteren Leben sind nur wenige Daten bekannt. Am 2. Oktober 1901 wurde die Tochter Elsa in New York geboren (wobei sich New York u.U. auf den Staat bezieht, nicht auf die Stadt). Nach der Erinnerung meines Vaters war diese Tochter adoptiert. Später verzog Albert Röhling mit seiner Familie nach Pittsburgh in Pennsylvanien, wo er bereits im Alter von 45 Jahren am 11. November 1915 starb. Beim Tod wohnte er 2909 Bedford Avenue. In den Adreßbüchern von Pittsburgh finden wir ihn unter dieser Adresse in den Jahren 1913 und 1914 (1914 auch unter der Geschäftsanschrift(?) 200 Barbeau). Als Beruf ist bookkeeper angegeben. Beruf und Todesursache sind leider auf der Sterbeurkunde nur schwer leserlich. Beim Beruf lese ich “Auditor Schenley Hotel”:

Schwieriger sieht es bei der Todesursache aus, insbesondere für mich als Nichtmediziner:
Hier kann ich nur entziffern: “Carcinoma of left […] bone extending to […] body […]” Vielleicht gibt es ja Mediziner unter meinen Lesern, die damit mehr anfangen können. Die Erkrankung hatte sich über 17 Monate hingezogen.
Zum Beruf will ich vermerken, daß mein Vater in seinen Erinnerungen schreibt, daß Albert Röhling Buchhändler gewesen sei. Dies ist ein typisches Beispiel für Erinnerungen, die zwar nicht ganz falsch sind, aber auch nicht richtig. Denn es gab in der Tat einen Verwandten, der Buchhändler in New York war, nämlich den Bruder der Stiefmutter von Onkel Albert, Bruno Heßling.
1916 ist die Mutter und 1917 Mutter und Tochter (als bill clerk) noch unter der Anschrift 2909 Bedford Aveneue in Pittsburgh im Adreßbuch von Pittsburgh aufgeführt, über das spätere Leben beider in Kalifornien ist nur sehr wenig bekannt. Mutter und Tochter waren nach ihrer etwa 1917–1919 erfolgten Übersiedlung offenbar die ganze Zeit in der Grafschaft Los Angeles ansässig. Zum Zeitpunkt der Volkszählung von 1930 finden wir sie in Los Angeles unter der Adresse 1149 Westmoreland Ave, zu diesem Zeitpunkt war Elsa Roehling, die als stenographer bei der University of California arbeitete, noch unverheiratet. Irgendwann zwischen 1930 und 1937 muß sie einen Herrn Gilbert unbekannten Vornamens geheiratet haben. 1937 wohnte sie 1848 North Gramercy Place, 1949 dann 2217 Manning Avenue, beide in Los Angeles.
Am 9. Oktober 1959 starb Christiana Dorothy Roehling geb. Baer in Santa Monica und wurde am 12. Oktober 1959 auf dem Holy Cross Cemetery beigesetzt. Das zuständige Beerdigungsinstitut war “Gates, Kingsley & Gates Funeral Directors”. Christiana Dorothy Roehling war zuletzt 743 E 65th Street in Inglewood wohnhaft, der Tod wurde von ihrer Tochter Elsa Gilbert angezeigt. Diese selber starb verwitwet am 19. September 1977 in Los Angeles und wurde im Cremar Crematory eingeäschert, als Beerdigungsinstitut ist die Telophase Society angegeben. Ihre letzte Adresse war 2217 Manning Avenue. Angezeigt wurde der Tod von Nancy Bennett, 345 S Clark Drive, Beverly Hills.
Das ist im Wesentlichen das, was über Onkel Albert und seine Familie bekannt ist. Gerne wüßte ich mehr, z.B. über den Ehemann von Elsa Roehling, Herrn Gilbert, und ihre eventuellen Nachfahren.
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Familienforschung Röhling Posted By: Markus