Montag, 7. Mai 2007 10:50 pm
Gestern jährte sich zum 250sten Mal der Tag der Schlacht bei Prag. Ende April war Friedrich der Große in Böhmen eingedrungen und griff am 6. Mai 1757 die Österreicher an, die eine Stellung östlich von Prag bezogen hatten. Die Preußen errangen den Sieg und begannen anschließend mit der Belagerung Prags.
Die Schlacht wurde von vielen Dichtern besungen, so von Gleim, Arnim oder Fontane (”Schwerin” und “Die Fahne Schwerins”). Der Sieg war vor allem dem Generalfeldmarschall Schwerin zu verdanken. An ihn erinnert eine Inschrift auf dem Obelisken in Rheinsberg:
Den Text der Inschrift finde ich bei Fontane leider nur auf Deutsch:
Der Ehre seines Jahrhunderts und der Schild des Vaterlandes. Er vereinigte alle bürgerlichen und kriegerischen Tugenden. Die Feinde, welche er bekämpfte, konnten ihm ihre Bewunderung nicht versagen. Am 10. April 1741 gewann er die Schlacht bei Mollwitz. Im Jahre 1744 befehligte der die Armee, welche Prag belagerte, und nahm die Festung Ziskaberg. Im Jahre 1756 war er an der Spitze der preußischen Armee, welche durch Schlesien in Böhmen eindrang. Und obgleich das feindliche Heer ihm überlegen war, führte er dennoch einen Angriffskrieg gegen die von Piccolomini befehligten Österreicher. Die Völker, gesichert durch seine Menschlichkeit, verehrten seinen Heldenmut. Die Fahne in der Hand fiel er als Opfer seines Eifers bei Prag am 6. Mai 1757.
Fontane schreibt dazu:
Der Obelisk richtet sich in seiner Kritik in erster Reihe gegen den König, aber an manchen Stellen, und zwar gleichzeitig ausgesprochener Anerkennung unerachtet, doch auch gegen den einen oder andere der berühmtesten Generale. So scheint ihm beispielsweise der schon damals im Volke lebende Glaube, daß “Schwerin mit der Fahne” die Prager Schlacht entschieden habe, vielleicht im Gefühl dessen, was er selbst geleistet hatte, nicht angenehm gewesen zu sein, weshalb er, nachdem er die früheren Taten Schwerins mit großer Wärme des Ausdrucks aufgezählt hat, in ziemlich nüchterner Weise schließt: “Un drapeau à la main il fut la victime de son zèle devant Prague le 6 de mai 1757.” Er rühmt nur den “Eifer”, weiter nichts.
Beteiligt an der Schlacht war das Regiment des Prinzen Ferdinand, zu dessen Kanton der Kreis Ruppin gehörte. Zahlreiche Vorfahren und Verwandte meines Urgroßvaters Franz Albert Karbe haben in diesem Regiment gedient, von den wenigsten allerdings wissen wir Näheres, insbesondere nichts über eine Teilnahme an der Schlacht bei Prag, an der das Regiment, wie an den meisten Schlachten des Siebenjährigen Kriegs, nur einen geringen Anteil hatte. Nur im Jahre 1760, in den Schlachten bei Landshut und Liegnitz, kam ihm eine entscheidende Rolle zu.
Auf alle diese ungenannten Teilnehmer der Schlachten des Großen Königs seien folgende Worte des Prinzen Heinrich auf dem Rheinsberger Obelisken bezogen:
Leurs noms gravés sur le marbre
Par les mains de l’amité,
Sont le choix d’une estime particulière
Qui ne porte aucun préjudice
A tout ceux qui comme eux
Ont bien merité de la patrie
Et participent à l’estime publique.
Der Sieg bei Prag brachte den Preußen nur einen vorübergehenden Vorteil, denn bald drohte neues Ungemach, wie es am Schluß von Fontanes Gedicht “Schwerin” anklingt:
Die Hügel sind erstiegen,
Die Kaiserlichen fliehn,
Doch trauervolles Siegen:
Im Sterben liegt — Schwerin;
Vier Kugeln, erzgegossen,
Sie haben ihn zerfetzt,
Die Fahne, die zerschossen,
Sein Bahrtuch ist sie jetzt.
Die Truppen ziehn vorüber,
Mit dumpfem Trommelschlag,
Solch Tag des Glücks ist trüber
Als mancher Unglückstag;
Wie Wetterwolkenschwere
Sieht man’s am Himmel ziehn,
Sie ziehen vorauf dem Heere,
Sich lagernd über — Kolin.
Doch von der Schlacht bei Kolin, die für die Familiengeschichte ihre ganz spezifische Bedeutung hat, wird erst am 18. Juni zu berichten sein.
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Familienforschung allgemein Posted By: Markus