La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Menschen verbinden — Natur erhalten

Montag, 25. Juni 2007 10:00 pm

Heute bietet sich einmal die Möglichkeit, ungezwungen von den Ahnen auf die Politik zu kommen. Bekanntlich wurde mein Großonkel Albert Röhling am 7. August 1870 in Schönfeld bei Crossen an der Oder geboren.

Gestern nun fand eine Radtour der polnischen Grünen “Zieloni 2004″ und von Bündnis 90/ Die Grünen statt, die auf beiden Seiten der Oder von Guben nach Frankfurt führte und die sich gegen den Bau einer grenzüberschreitenden Fernstraße im Raum Aurith/ Eisenhüttenstadt wandte. Auf der polnischen Seite kamen wir dabei auch durch Schönfeld. Schönfeld hatte ich schon vor längerer Zeit besucht und dabei auch Photos gemacht, die müßte ich jedoch erst heraussuchen.

Daher stattdessen ein Bild der durch die Strömung angetriebenen Fähre im nahegelegenen Pollenzig, mit deren Hilfe die Straße von Guben nach Züllichau auf umweltfreundliche Weise die Oder überquert:

Von Schönfeld ging es dann unter anderem durch diese schöne Allee weiter nach Kloppitz:

In Kloppitz brüten dieses Jahr 18 Storchenpaare, denen ein eigenes Museum gewidmet ist. In der Nähe befinden sich auch die Reste der Brücke hinüber nach Fürstenberg bzw. Eisenhüttenstadt (Blick von der deutschen auf die polnische Seite):

An der Brücke trafen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf beiden Seiten des Flusses und protestierten u.a. mit diesem Transparent gegen die Naturzerstörung und für einen Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen:

Von dort ging es weiter nach Aurith, wo sich wieder beide Gruppen trafen. Hier ruhen wir uns auf dem Fähranleger in Aurith aus:

Eine Fähre gibt es trotz des Anlegers leider bisher nicht. Stattdessen gibt es von der brandenburgischen und der polnischen Regierung sehr energisch betriebene Pläne, mehr oder weniger quer durch das auf beiden Seiten der Oder gelegene Dorf Aurith eine Fernstraße zu bauen, dagegen wendet sich auch eine Bürgerinitative in Aurith. Dagegen ist offensichtlich auch die NPD, aber die will bekanntlich gar keine Grenzübergänge, auch keine Fähren. Da kommt es ihr sicher gerade recht, die deutsche Natur gegen die polnische Überfremdung in’s Feld zu führen. Wenn die Ostgebiete dann wieder zurückerobert sind, werden sie vermutlich keine Bedenken gegen die Brücke mehr haben.

Über den Grenzabschnitt zwischen Guben und Frankfurt habe ich bereits früher berichtet. Viermal bin ich in den letzten Monaten auf beiden Seiten der Oder von Guben nach Frankfurt gefahren, habe dabei aber kein einziges Lastschiff gesehen, was zeigt, wie überflüssig ein Ausbau der Oder mit seinen gravierenden Folgen für die Natur ist.

Die beiden letzten Bilder entstanden übrigens mit einer etwa 80 Jahre alten Plattenkamera (Zeiss-Ikon Maximar 207/1) und auf dem Wege des sehr altertümlichen Auskopierverfahrens. Aber trotz der altmodischen Technik hätte ich es fast geschaft, daß diese Bilder die ersten sind, die im Internet erscheinen. Ich mußte aber vorhin im Dienste der Verbesserung des deutsch-polnischen Grenzverkehrs nach Fürstenwalde, bevor die Abzüge ganz trocken waren und ich sie scannen konnte, und deswegen ist mir Julia zuvorgekommen. Zur Kamera und ihrer Technik sowie zum Auskopierverfahren später einmal mehr.

Abgelegt unter: Brandenburg, Familienforschung Röhling, Politik, Verkehr, Photographie
Posted By: Markus

Der Stallmeister

Donnerstag, 21. Juni 2007 1:21 pm

Hier noch ein letztes Bild, das ich in die USA schicken möchte. Es zeigt den Großvater von Onkel Albert (also meinen Ururgroßvater), den Herzoglich Sachsen-Altenburgischen Stallmeister und Universitäts-Oberbereiter zu Leipzig, Albert Röhling:

Heinrich Christian Albert Röhling wurde am 4. September 1807 in Berlin als Sohn des Teltow’schen Kreissekretärs und Holzhändlers Theodor Röhling und dessen Frau Friederike Henriette Wilhelmine Gieseler geboren. Er starb am 21. Januar 1882 in Leipzig. Zwischenzeitlich war er auch einige Jahre in Brusenfelde in Pommern und in Eilenburg ansässig gewesen. Seine Ehefrau war Marie Henriette Löwe, über deren Schwester Maria Louise Löwe verehelichte Heßling und deren Nachfahren habe ich schon ausführlich berichtet.

Das obige Bild ist übrigens auch vom photographischen Standpunkt interessant, da es sich um eine frühe Freilichtaufnahme handelt. Leider kann ich es bisher nicht genauer datieren. Es handelt sich um ein auf eine Pappe aufgeklebtes sehr dünnes Papier ohne Barytschicht im Format 6,2 x 8,8 cm. Zum Schutz ist er es mit einem oben an der Trägerpappe angeklebten Pergamentpapier versehen.

Besonders interessieren würde mich die vermutliche Belichtungszeit. Vermutlich war sie recht lang und es spricht für die Künste des Reiters, daß das Pferd bis auf Maul und Schwanz die ganze Zeit stillhielt.

Abgelegt unter: Berlin, Pommern, Familienforschung Röhling, Photographie
Posted By: Markus

Großeltern

Mittwoch, 20. Juni 2007 8:59 am

Dieses Bild zeigt meine Großeltern Ernst Röhling (1872–1932) und Gertrud Papendieck (1880–1945) kurz nach ihrer Hochzeit, also etwa 1908, beim Spazierengehen in Pankow. Sie wohnten zu dieser Zeit in der Eintrachtstr. 5 III. in Pankow.

Ernst Röhling war ein Bruder von Onkel Albert und Tante Frieda. Auch von diesem Bild will ich eine Reproduktion nach Amerika schicken.

Abgelegt unter: Berlin, Familienforschung Röhling, Familienforschung Papendieck
Posted By: Markus

Der Siebenjährige Krieg (III)

Dienstag, 19. Juni 2007 1:01 pm

Wie Wetterwolkenschwere
Sieht man’s am Himmel ziehn,
Sie ziehen vorauf dem Heere,
Sich lagernd über — Kolin.

So endet ein Gedicht Fontanes auf den Generalfeldmarschall von Schwerin, der in der für die Preußen siegreichen Schlacht bei Prag gefallen war. Nach der Schlacht hatten die Preußen mit der Belagerung der Stadt begonnen und die Österreicher unter Feldmarschall Daun versuchten nun, diese zu entsetzen. Friedrich der Große stellte sich den anrückenden Österreichern am 18. Juni 1757, also gestern vor 250 Jahren, bei Kolin entgegen und erlitt eine Niederlage, in deren Folge er die Belagerung Prags aufgeben und sich nach Sachsen zurückziehen mußte.

Ein Teil der österreichischen Truppen hatte sich bei dem Dorf K?e?ho? festgesetzt, das von den Preußen zunächst erobert, aber nicht dauerhaft gehalten werden konnte. Während der Kampfhandlungen wurden auch die katholischen Kirchenbücher von K?e?ho? zerstört. Ein zunächst nicht besonders bemerkenswertes Ereignis, wurden doch in Kriegen immer wieder zahlreiche dieser für die Familienforschung so wichtigen Quellen zerstört.

Die besondere Bedeutung gerade dieser Kirchenbücher liegt darin, daß mit ihrer Hilfe womöglich definitiv die Herkunft des Wiener Oberrabbiners und Predigers Adolf Jellinek hätte geklärt werden können.

Der Großvater Adolf Jellineks, Georg oder Hersch, stammte vermutlich aus K?e?ho?. Als Angehöriger der protestantischen Sekte der Sabbatarier oder Sioniten wäre seine Geburt wahrscheinlich in den Kirchenbüchern von K?e?ho? registriert gewesen, da die Angehörigen dieser Sekte ihren Glauben nur heimlich ausübten. Erst nach dem Toleranzedikt Josephs II. aus dem Jahre 1782 wagten sie es, sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen. Ihnen wurde allerdings mehr oder minder gewaltsam bedeutet, daß die Toleranz sich nur auf Lutheraner, Reformierte und Juden erstrecke und daß sie sich für eine dieser Religionen oder für die römische Kirche entscheiden müßten. Ein Teil der Sabbatarier verließ daraufhin den Bezirk Kolin und trat zum Judentum über. Einen Konvertiten Markus Jellinek, Sohn des Georg, finden wir später in Ungarisch Brod wieder, dem Geburtsort Adolf Jellineks.

Die Frage ist nun, ob dieser Markus Jellinek identisch mit jenem Markus Jellinek ist, der als Bruder des Isak Löb Jellinek, dem Vater Adolf Jellineks, genannt ist. Dies ist in jüngerer Zeit bestritten worden (Klaus Kempter: Die Jellineks 1820–1955. Eine familienbiographische Studie zum deutschjüdischen Bildungsbürgertum. Düsseldorf 1998. (= Schriften des Bundesarchivs 52)). Kempter stellt die Hypothese auf, daß es gleichzeitig zwei verschiedene Markus Jellinek in Ungarisch Brod gegeben habe, ohne allerdings dafür einen Beleg zu bringen. Auch noch andere Gründe sprechen meines Erachtens gegen die These Kempters, ich hoffe, dies einmal in einem Artikel ausführlich darlegen zu können.

Eine definitive Antwort auf diese Frage könnten womöglich genetische Tests bringen, es ist mir aber noch nicht gelungen, die entsprechenden Teilnehmer zu rekrutieren.

Bei meinen Recherchen für diesen Eintrag stieß ich übrigens mehr oder minder zufällig auf einen anderen Zweig der Familie Jellinek. Unter der Firma “R. Jelínek” interessiert immer noch eine Brennerei, wenn sie auch nicht mehr im Besitz der Familie ist. Einige geschichtliche Informationen gibt es unter http://www.rjelinek.cz/historie.php?LANG=de.

Der dort als Vater des Sigmund Jellinek erwähnte Jakob Jellinek ist übrigens ein Vetter ersten Grades von Adolf Jellinek (jedenfalls meiner Auffassung nach).

Abgelegt unter: Dies und das, Brandenburg, Familienforschung sonstige
Posted By: Markus

Tante Frieda

Freitag, 15. Juni 2007 8:49 pm

Wie kürzlich berichtet, konnte ich inzwischen Kontakt mit einer angeheirateten Großnichte von Onkel Albert aufnehmen, einem Bruder meines Großvaters Ernst Röhling. Ich will ihr auch ein paar Photographien schicken, und bin gerade dabei, diese zu scannen. Ich nutze die Gelegenheit, sie auch gleich in diesem meinem Netztagebuch zu präsentieren.

Eine Schwester von Onkel Albert und ebenso meines Großvaters Ernst Röhling war Tante Frieda (* in Sternberg/ Nm. am 29. April 1873), seit dem 17. August 1911 verheiratet mit Hermann Plass (1876–1945). Das folgende Bild etwa aus den Jahren 1912–1914 zeigt Tante Frieda in Lättnitz im Kreis Grünberg in Schlesien, wo ihr Mann zu dieser Zeit Gutsverwalter war:

Und dies ist Onkel Hermann mit seinen Söhnen Detlef (1915–1986) und Fritz (1917–2000):

Die obige Karte wurde zum Neujahrfest 1929 mit dem Poststempel von Sonnewalde (Kr. Luckau) an den Bruder Ernst geschickt, wie die Rückseite ausweist:

Tante Frieda Plass geb. Röhling starb am 29. September 1931 in Zeckerin bei Sonnewalde, wo Onkel Hermann zu dieser Zeit Graf Solms-Baruth’scher Güterdirektor war.

Abgelegt unter: Brandenburg, Familienforschung Röhling
Posted By: Markus

Rückruf?

Freitag, 15. Juni 2007 5:30 pm

Die neunte Dame, mit der ich gesprochen habe (bzw. es war die siebte Dame, zwei waren Herren), hatte die Idee, mein Anliegen in den Rechner einzugeben, damit ich dann später einen Rückruf von einer zuständigen Person bekomme. Sie erklärte mir auch, daß es durchaus üblich sei, bei Überlastung einer hotline die Leute zu einer anderen Hotline weiterzuleiten, auch wenn man dort gar nicht helfen könne.

Sie neunte Dame sagte mir ebenfalls, daß mein Buchungskonto inaktiv sei. Dieses blog funktioniert momentan aber noch. Aber nur, weil ich mir ohne die Telekom geholfen habe. Denn hinsichtlich der nicht funktionierenden backup-Funktion von Webpage habe ich auch heute nach über vier Monaten noch keine Mitteilung bekommen, daß der Fehler behoben sei.

Abgelegt unter: Dies und das
Posted By: Markus

In der Warteschleife

Freitag, 15. Juni 2007 5:07 pm

Man mag es nicht glauben, aber ich hänge seit über einer Stunde am Telephon, weil ich eine Rechnung für meinen Internetauftritt haben möchte. Gerade versuche, die achte Stelle zur erreichen, nachdem ich von Hinz nach Kunz geschickt worden bin. Bisher habe ich zweimal mit T-Online, einmal mit T-Systems und viermal mit T-Com telephoniert.

Sonderbarerweise habe ich nämlich für dieses blog seit Dezember keine Rechnung mehr erhalten. Jetzt hatte ich gerade wieder mit einer Dame von der T-Com gesprochen, die aber gar nicht für mich zuständig war. Sie bemühte sich trotzdem, aber dann war plötzlich die Leitung unterbrochen.

Ich bin jetzt schon wiederholt bei einer anderen Nummer gelandet als ich gewählt hatte (z.B. Privatkunden statt Geschäftskunden). Ich werde weiter berichten, schließlich hat man ja in der Warteschleife Zeit. So habe ich während des Wartens bereits einen Film entwickelt, wie es aussieht, trocknet er auch noch während des Wartens.

Abgelegt unter: Dies und das
Posted By: Markus

Onkel Albert (III)

Mittwoch, 13. Juni 2007 4:12 pm

Vor einiger Zeit faßte ich meine Erkenntnisse über meinen Großonkel Albert Röhling zusammen(1, 2). Am letzten Sonntag bekam ich einen Anruf von der erwähnten Nancy Bennett, einer angeheirateten Großnichte von Onkel Albert, wie sich herausstellte. Blutsverwandt sind wir also nicht, aber sie besitzt eine Schachtel mit Photographien aus dem Nachlaß von Elsa Gilbert geb. Roehling, darunter auch Photos von Onkel Albert und Frau. Sie hat versprochen, mir Reproduktionen zu schicken, und ich bin schon sehr gespannt darauf.

Wenn die Dame einverstanden ist, werde ich die Photos wahrscheinlich auch hier veröffentlichen.

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling
Posted By: Markus

DSF

Sonntag, 10. Juni 2007 10:01 pm

Es gibt sie noch, die Straßen der DSF, z.B. in Blönsdorf. Letztes oder vorletztes Jahr hatte ich zwar im Anhaltinischen irgendwo zwischen Bernburg und Köthen (ich glaube, in Borgesdorf) noch eine Straße des Sozialismus gefunden, eine Straße der DSF ist mir aber schon lange nicht mehr begegnet (um genauer zu sein, seit knapp siebzehn Jahren nicht mehr).

Die DSF hindert angetrunkene Blönsdorfer Jugendliche allerdings nicht, sich auf dem Bahnsteig gegenseitig mit “Judensau” zu beschimpfen. Zur Ehre Blönsdorfs muß allerdings gesagt werden, daß diese Jugendlichen auch den anderen dort zusteigenden Fahrgästen (immerhin etwa ein Dutzend) negativ auffielen, wie ihren Bemerkungen zu entnehmen war.

Blönsdorf liegt übrigens an der Anhalter Bahn zwischen Jüterbog und Wittenberg. Dort hält alle zwei Stunden ein Regionalexpress. In diesen zwei Stunden passieren auch etwa vier ICE pro Richtung den Bahnhof, selbstverständlich, ohne dort anzuhalten.

Abgelegt unter: Dies und das, Brandenburg, Politik, Verkehr
Posted By: Markus

Geburtstag

Donnerstag, 7. Juni 2007 3:00 pm

Heute wird dieses blog ein halbes Jahr alt. Eigentlich nichts besonderes, aber mir fällt gerade nichts anderes zum Schreiben ein.

Das stimmt natürlich so nicht. Mir fällt ganz viel ein. Nur bedarf das alles gründlicher Recherche oder des Scannens, Bearbeitens und Hochladens von Bildern.

Übrigens hat das Kind immer noch keinen Namen. Ich bitte meine Leserinnen und Leser daher noch einmal dringend, Kommentare zu dieser Frage abzugeben, siehe http://www.markus-roehling.eu/?p=107.

Von Familienforschung war leider in der letzten Zeit nicht viel zu lesen. Das liegt daran, daß auch kurze Einträge oft einer längeren Vorbereitung und Suche im Familienarchiv bedürfen. Vielleicht werde ich in Zukunft einfach häufiger mal alte Familienbilder einstellen und kommentieren. Dann gibt es wenigstens was zu gucken und ein bißchen Futter an Familiennamen für Google.

Abgelegt unter: Dies und das, Familienforschung allgemein
Posted By: Markus
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