Die Deutsche Bahn und das Fahrrad
Fahrrad und Bahn sind eigentlich eine ideale Kombination. Allerdings nicht in der deutschen Realität und das nicht nur, wenn es um die Fahrradmitnahme im ICE geht.
Am Sonntag bin ich mit dem Fahrrad ein wenig durch die Gegend gefahren, von Angermünde über Welsow, Bruchhagen, Greiffenberg, Suckow und Potzlow nach Lindenhagen (früher Hindenburg). Eine hübsche Gegend mit alten Kirchen und viel Natur. Angermünde hat sich in den letzten Jahren etwas herausgeputzt, bei Prenzlau läßt sich nach Kriegszerstörungen und sozialistischem Wiederaufbau wenig machen. Der Potzlower Roland ist zwar interessant, wirkt aber doch eher dörflich als städtisch.
Der Hinweg verlief problemlos, im Gegensatz zur Rückfahrt. Aufgrund des nahenden Regens begab ich mich von Lindenhagen auf dem kürzesten Weg nach Prenzlau, um von dort um 14.01 Uhr mit dem Regionalexpreß nach Berlin zurückzufahren. Dann wäre ich kurz vor vier zu Hause gewesen. Leider war der Zug so voll, daß ich und andere Reisende mit Fahrrädern nicht mehr in den Zug kamen. Was tun? Um 14.48 Uhr sollte ein IC kommen, doch sonderbarerweise kann man im IC ja keine Fahrradstellplätze für den selben Tag reservieren. Es blieb daher mehr als ungewiß, ob ich mit diesem Zug mitgekommen wäre, und bei dem Regionalexpreß um 16.01 Uhr ebenso.
Das Bahn-Comfort-Telephon konnte mir neben einem Genußgutschein von 5 Euro für den Speisewagen auch nur die Abfahrtzeiten von anderen Bahnhöfen anbieten. Ich entschied mich schließlich für das gut 30 km entfernte Templin, machte mich trotz Regens auf den Weg und erreichte ein wenig durchweicht den Zug von Templin Stadt nach Berlin-Lichtenberg um 16.46 Uhr. Die ganze Zeit fuhr ich parallel zu der Bahnstrecke Prenzlau — Templin, auf der vor einigen Jahren der Personenverkehr eingestellt wurde.
Damit war ich allerdings noch nicht zu Hause angelangt. Das bequemste wäre gewesen, in Oranienburg umzusteigen und von dort mit der S-Bahn zum Nordbahnhof zu fahren. Das Einsteigen in Templin Stadt war problemlos gewesen, und es gelang mir auch, in Oranienburg mein Fahrrad unter einem Haufen anderer Fahrräder hervorzuholen und in die S-Bahn umzusteigen. In Birkenwerder wurde mir dann aber klar, daß zwischen Birkenwerder und Hohen Neuendorf Schienenersatzverkehr bestand. Zwischen Templin und Oranienburg war mir die Luft im Hinterreifen abhanden gekommen (ich habe da ein paar kleine Jungen im Verdacht). Also Aufpumpen, noch einmal auf’s Fahrrad und in Hohen Neuendorf wieder in die S-Bahn. Zu Hause war ich dann kurz vor halb acht, also 3 1/2 Stunden später als geplant.
Das Problem ist der Bahn der mit Menschen und Fahrrädern überfüllten Züge, die zwischen Berlin und der Ostsee verkehren, nicht unbekannt. Als Lösung empfiehlt sie, z.B. in der Kundenzeitschrift “punkt3″ (13/2007 S. 3), die Züge zwischen Berlin und Stralsund nicht zu benutzen, sondern diejenigen, die nach Schwedt fahren. Nur wem hilft das, wenn er in Prenzlau ist und es regnet? Oder jemandem, der zwar kein Fahrrad hat, aber von Pasewalk oder Prenzlau bis Berlin stehen muß? Auch nicht mehr, als ein Genußgutschein für den Speisewagen in einem Zug ohne Speisewagen.
Mehr Wagen lassen sich leider nicht an die Züge hängen, denn schon jetzt können nicht in allen Bahnhöfen alle Wagen am Bahnsteig halten. Die logische Folgerung wäre, die Züge zwischen Stralsund bzw. Prenzlau und Berlin (wieder) im Stundentakt fahren zu lassen und die Strecken Prenzlau — Templin — Berlin und Templin — Joachimsthal, die die “Ferienregion Uckerseen” und das Biospärenreservat Schorfheide-Chorin erschließen, wieder für den Personenverkehr in Betrieb zu nehmen.
Das aber scheint nicht in Sicht zu sein. Auch der Gedanke, den auf den Bahnhöfen wartenden Fahrgästen per Ansage frühzeitig mitzuteilen, daß ein bestimmter Zug bereits überfüllt sei, und was sie stattdessen am besten machen sollen, scheint der Bahn fern zu liegen. Und warum auch die Fahrgäste, die mit der Regionalbahn fahren, kurz vor Oranienburg informieren, daß zwischen Birkenwerder und Hohen Neuendorf Ersatzverkehr besteht?
Abgelegt unter: Brandenburg, Politik, VerkehrPosted By: Markus






