La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Aus deutschen Amtsstuben (XIX)

Donnerstag, 30. August 2007 8:49 pm

Bauarbeiten bedingen manche Umorientierung. Auf einem Schild im Amtsgericht Mitte fand ich gestern folgenden Hinweis:

Immerhin, dort darf noch etwas auf Tafeln geschrieben werden. Bei der S-Bahn in Berlin ist das ja angeblich nicht mehr zulässig, weil es nicht in’s “corporate design” paßt. Früher jedenfalls gab es solche Tafeln auch dort, mit selbstgeschriebenen Hinweisen zu Fahrplanänderungen. Irgendwann waren diese Tafeln dann ersatzlos verschwunden.

Meinen Wortschatz konnte ich gestern im Amtsgericht Mitte auch wieder erweitern, nämlich um den Begriff “Falschgeldanfall”, den ich auf einem Aushang in der Zahlstelle sah.

Abgelegt unter: Dies und das, Berlin, Verkehr
Posted By: Markus

Noch einmal entfernte Verwandtschaft

Donnerstag, 16. August 2007 9:41 am

In Ergänzung zu einem kürzlichen Eintrag hier nun das Hochzeitsbild von Erich Scholtz und Elisabeth Sümmermann vom April/ Mai 1918:

Zu sehen sind neben Braut und Bräutigam auch der Vater des Bräutigams und Pfarrer in Fahrland, Georg Scholtz.

Erich Scholtz, dem am 23. Dezember 1917 als Bataillons-Kommandeur im Infanterie-Regiment Nr. 58 der Pour le mérite verliehen worden war, fiel etwa sechs Wochen nach der Hochzeit als Hauptmann im Infanterie-Regiment Nr. 46 am 13. Juni 1918 bei Noyon. Seine Witwe soll 1979 in Essen gestorben sein.

Lebende Nachfahren meiner Ururgroßtante Adelheide Heidemann geb. Wenzel gibt es, wie schon geschrieben, nicht mehr. Unbekannt ist mir bisher noch der Verbleib der am 1. November 1866 in Landsberg an der Warthe geborenen Elisabeth v. Blomberg adoptierten Merian geschiedenen La Roche und Cousin, einer Schwester von Jenny v. Blomberg, der Mutter von Erich Scholtz. Die letzte bekannte Nachricht stammt aus dem Jahre 1912, damals ist sie im Kölner Adreßbuch als Frau Elisabeth Mérian in der Beethovenstr. 2.II verzeichnet. Ausweislich des Einwohnerregisters in Bern war sie 1905 von Bern nach Köln gezogen. Ihr einziger Sohn Willy Albert Cousin starb am 25. Juni 1972 in Lausanne ohne Hinterlassung von Nachfahren.

Abgelegt unter: Familienforschung Röhling
Posted By: Markus

Joseph Joachim und Johannes Brahms

Mittwoch, 15. August 2007 12:55 pm

Heute vor 100 Jahren starb Joseph Joachim im Alter von 76 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg (Fürstenbrunner Weg) neben seiner Frau, der Sängerin Amalie Schneeweiß, begraben.

Gerne würde ich aus diesem Anlaß einmal etwas Akustisches in dieses blog einbauen, nämlich eine Aufnahme mit Joseph Joachim. Doch da ich nicht die Originalplatten, sondern nur eine Neuausgabe auf CD besitze, könnte ich mir u.U. rechtliche Schwierigkeiten einhandeln. Man kann allerdings kurze Ausschnitte in der heutigen Sendung “Kalenderblatt” des Deutschlandfunks hören. Meines Wissens gibt es fünf Aufnahmen mit Joachim:

  • Bach, Bourrée aus der Partita für Violine solo in b-moll.
  • Bach, Adagio aus der Sonate für Violine solo in g-moll.
  • Joachim, Romanze in C-Dur.
  • Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 1 in g-moll.
  • Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 2 in d-moll.

Faszinierend an diesen Aufnahmen ist für mich vor allem, wie weit sie zurückreichen. Nicht nur, daß sie vor 104 Jahren entstanden, sondern auch, daß es kaum einen jemals auf Schallplatte festgehaltenen Interpreten gibt, der vor Joachim geboren wurde. (Ich meine mich zu erinnern, mal gelesen zu haben, daß es Aufnahmen eines Kantors gibt, der noch vor Joachim geboren wurde, doch kann ich mich leider nicht mehr erinnern, wo.) Wie weit die Aufnahmen noch über das Aufnahmedatum hinaus zurückreichen, wird einem klar, wenn man daran denkt, daß Joachim Beethovens Violinkonzert 1844 in London noch unter Mendelssohn-Bartholdy am Dirigentenpult spielte. Da sieht man auch leicht über die, im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Aufnahmen übrigens gar nicht einmal so schlechte Aufnahmequalität und den einen oder anderen Patzer, den der 72-Jährige in der ihm wahrscheinlich ungewohnten starren Haltung vor dem Schalltrichter machte, hinweg.

Im folgenden aber will ich mich mit einem genealogischen Aspekt befassen. Denn Joachim und Brahms waren nicht nur befreundet, sondern auch sehr entfernt miteinander verwandt, wenn auch nicht blutsverwandt.

Da ich nicht recht weiß, wie ich eine genealogische Tafel in dieses Netztagebuch einfügen kann, versuche ich die Verwandtschaft in Listenform wiederzugeben. Ich beginne zunächst mit Joachim und verfolge eine seiner Vorfahrenlinien rückwärts. Seine Mutter war:

Franziska Figdor, oo Friedrich Joachim. Mutter:

Anna Figdor, gest. am 12. April 1833, oo Isaak Figdor. Mutter:

Therese, gest. nach 1804, oo Isaak Schlesinger, gest. 1798. Vater:

Seligman Krailsheim, gest. nach 1798. Mutter:

Chana, gest. am 7. November 1720, oo Löb Krailsheim, gest. nach 1751. Vater:

Wolf Brillin, gest. vor 1711. Eltern:

Sarlan (Sara) Oppenheim, gest. nach 1692, oo R. Isaak ben Sußman Brilin, gest. nach 1692 (nach anderer Angabe in Mannheim am 13. März 1678).

Von hier aus begeben wir uns jetzt wieder nach unten. Isaak Brillin und Sara Oppenheim (deren Bruder Samuel übrigens der Ur-Ur-Ur-Großvater von Felix Mendelssohn-Bartholdy war) hatten unter anderem die Tochter:

Frumet (Veronica) Brilin, gest. Wien 24. April 1715, oo Simson Wertheimer, * in Worms 1658, gest. in Wien am 6. August 1724. Sohn:

Wolf Wertheimer, * in Worms um 1680, gest. in Wien 1765, oo Lea Oppenheimer. Sohn:

Samuel Wertheimer, * in Wien 1709/10, gest. in Wien am 22. April 1786, oo Sara Oppenheimer. Sohn:

Simson Wertheimer, * 1728/29, gest. in Wien am 17. August 1810, oo Karoline Neustadtl. Sohn:

Zacharias Wertheimer, * in Wien 1780/82, gest. in Wien am 31. Dezember 1852, oo Jentl Baruch. Sohn:

Gustav Wertheim, * in Wien am 28. Oktober 1822, + in Wien am 8. Januar 1888, oo Wilhelmine Walcher. Tochter:

Camilla Wertheim, * in Wien am 24. September 1860, + in Heidelberg am 5. Oktober 1940, oo Georg Jellinek. Sohn:

Walter Jellinek, * in Wien am 12. Juli 1885, + in Heidelberg am 9. Juli 1955, oo Irmgard Wiener, * in Ettenheim am 2. Juni 1891, + in Holzminden am 6. Juni 1976.

Damit wären wir bei den Großeltern meines Schwagers angelangt. Von hier aus geht es jetzt wieder aufwärts. Die Mutter von Irmgard Jellinek geb. Wiener war:

Eleonore Bolza, * in Dahn (Pfalz) am 14. Oktober 1864, + in Hildesheim am 3. Februar 1923, oo Alexander Wiener. Mutter:

Louise Koenig, * in Kloster Oberzell bei Würzburg am 26. Oktober 1830, + in Freiburg (Breisgau) am 25. April 1928, oo Moritz Emil Bolza. Mutter:

Fanny Jacobs, * in Coburg am 7. April 1808, + in Oberzell am 1. April 1882, oo Friedrich Koenig. Vater:

Wilhelm Jacobs, * in Zella am 18. Juli 1783, + in Saalfeld am 1. Mai 1819, oo Johanna Hoffmann. Vater:

Friedrich Heinrich Wilhelm Jacobs, * in Gotha am 24. August 1743, + in Zella am 30. März 1805, oo Juliana Kühnhold. Vater:

Wilhelm Jacobs, * in Gräfentonna am 25. März 1719, + in Gotha am 16. März 1800, oo Gisela Lilien. Vater:

Gottlieb Jacobs, * in Gotha am 18. Januar 1684, + in Gräfentonna am 16. März 1723, oo Elisabetha Sophia Bachofen von Echt. Vater:

Johann Jacobs, * in Flensburg am 24. Februar 1648, + in Gotha am 6. März 1732, oo Maria Volck. Vater:

Hinrich Jacobs, * in Flensburg etwa 1600/1605, begr. in Flensburg am 19. Mai 1668, oo Dorothea Jebsen. Vater:

Hinrich Jacobs, * in Flensburg vermutlich kaum nach 1570, begr. in Flensburg am 1. April 1616, oo Margarete Tetens. Mutter:

Metta Lange, * in Flensburg 1545/47, + in Flensburg am 5. September 1610, oo Thomas Jacobs. Mutter:

Elsabe Finke, * in Flensburg 1622, + in Flensburg am 21. August 1576, oo Hans Lange. Vater:

Jacob Finke d.J., erwähnt in Flensburg 1517–1537, oo Brigitte NN.

Und von hier aus wieder abwärts über einen Sohn der Vorgenannten:

Jacob Finke, + in Flensburg 1570, oo Anna Thor Smede. Tochter:

Brigitte Finke, * in Flensburg 1558, + in Flensburg 1642, oo Hermann Lange. Sohn:

Hans Lange, * (in Flensburg) 1582, + in Flensburg 1653, oo Maria Lorch. Tochter:

Margarethe Lange, * in Flensburg 1609, + in Flensburg 1683, oo Johann Jessen. Tochter:

Maria Jessen, * (in Großenwiehe) 1637, + Leck 1715, oo Dietrich Brodersen. Sohn:

Johann Brodersen, * (in Leck) 1680, + (in Leck) 1738, oo Beate Dorothea NN. Tochter:

Johanna Maria Brodersen, * (in Leck) 1719, + Tondern 1766, oo Peter Nissen. Sohn:

Peter Radeloff Nissen, * in Tondern 1750, + in Hamburg 1797, oo Anna Margaretha von Bergen. Tochter:

Johanna Henrike Christiana Nissen, * in Hamburg 1789, + in Hamburg 1865, oo Johann Jacob Brahms. Sohn:

Johannes Brahms, * in Hamburg am 7. Mai 1833, + in Wien am 3. April 1897.

Und so wären wir von Joachim auf Brahms gekommen. Eine genealogische Spielerei, zugegebenermaßen, aber doch ganz nett. Allerdings könnte es sicher nicht schaden, sich hier und da noch einmal die Quellen genauer anzugucken und die Angaben zu ergänzen, besonders was die Vorfahren Joachims angeht. Für die obige Aufstellung wurden neben den Forschungsergebnissen Walter Jellineks benutzt:

  • Deutsches Geschlechterbuch, Band 214 (Stammfolge Jacobs).
  • Lejeune, Eckart J.: Berühmte Nachkommen des Koppelmann Eppstein. In: Genealogie 20 (1971) S. 719f. und Tafeln 1–7.
  • Wachstein, Bernhard: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. Bd. 2 Wien 1917. (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich 4)
Abgelegt unter: Berlin, Familienforschung sonstige, Friedhöfe
Posted By: Markus

Streikruhe

Donnerstag, 9. August 2007 10:36 am

Jetzt fahren sie wieder, die S-Bahnen. Dabei war es zwei Stunden so schön ruhig. Man konnte bei offenen Fenster in der Küche sitzen und seinen Tee trinken, ohne daß alle zwei oder drei Minuten eine S-Bahn unter dem Küchenfenster vorbeidonnerte.

Ab und zu ein Streik ist gar nicht so schlecht, finde ich, jedenfalls, solange ich nicht gerade mit der Bahn fahren muß. Vor allem schade, daß die Lokführer nicht so lange streiken wollen und dürfen, bis das Rumpelstilzchen weg ist.

Abgelegt unter: Berlin, Politik, Verkehr
Posted By: Markus

Der Siebenjährige Krieg (IV)

Sonntag, 5. August 2007 7:33 pm

Wieder einmal hinke ich mit meiner Berichterstattung über den Siebenjährigen Krieg hinterher. Aber vor 250 Jahren dauerte es auch immer ein Weilchen, bis die Nachricht von einer verlorenen oder gewonnenen Schlacht bekannt wurde. Und auch das nicht immer zuverlässig: Während der Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 hatte der Feldmarschall Daun bereits einen Boten mit der Siegesmeldung an Maria Theresia abgehen lassen, als der Angriff des alten Zieten die Schlacht doch noch zu Gunsten der Preußen entschied.

Aber noch schreiben wir das Jahr 1757. Während die Schlachten bei Lobositz, Prag und Kolin jeweils zwischen der preußischen und der österreichischen Armee geschlagen wurden, trafen bei Hastenbeck in der Hauptsache die mit den Österreichern verbündeten Franzosen und die preußischen Verbündeten, v.a. Hannover, Hessen und Braunschweig, aufeinander. Zuvor hatten die Franzosen unter dem Marschall d’Estrées bereits im Juni den Rhein überschritten, die niederrheinischen Besitzungen Preußens besetzt und schließlich sogar die Weser überquert. Ihnen stellten sich die preußischen Verbündeten unter dem Herzog von Cumberland am 26. Juli 1757 bei Hastenbeck entgegen.

Siegreich in der relativ unblutigen Schlacht (ca. 3.700 Tote bei 96.000 Teilnehmern) waren die Franzosen. Die Observationsarmee der preußischen Verbündeten zog sich anschließend weiter zurück und die Franzosen konnten sich im Hannoverschen und Braunschweigischen festsetzen. Nachdem die Hannoveraner sich in der Neutralitätskonvention von Zeven vom 8. September 1757 für neutral erklärt hatten, besetzten die Franzosen Hannover und der Weg Richtung Berlin stand ihnen offen, ohne daß sie diese Möglichkeit zunächst nutzten.

Familiäre Bezüge der Schlacht bei Hastenbeck sind mir nicht bekannt.

Abgelegt unter: Dies und das
Posted By: Markus

Aus deutschen Amtsstuben (XVIII)

Mittwoch, 1. August 2007 2:37 pm

Heute erhielt ich von einem Berliner Amtsgericht folgendes Schreiben:

Beschluss

In der Nachlasssache […] wird der Beschwerde vom 11.07.2007 gegen den Beschluss des Amtsgerichts Schöneberg vom 11.06.2007 aus den Gründen des Beschlusses nicht abgeholfen.

Leider war nicht angegeben, welche Rechtsmittel ich gegen diesen neuen Beschluß einlegen kann. Mal sehen, ob dieser Unklarheit durch ein weiteres Schreiben abgeholfen werden kann.

Abgelegt unter: Berlin, Familienforschung allgemein
Posted By: Markus

Genußgutschein

Mittwoch, 1. August 2007 2:30 pm

Heute erhielt ich meinen Genußgutschein für meine Unannehmlichkeiten am Sonntag. Ich bin immer wieder angetan von dieser schönen Wortschöpfung der deutschen Bahn. Wer denkt bei einem solchen Wort schon an überfüllte Züge, Langsamfahrstellen oder fehlende Informationen? Bei der Orthographie scheint allerdings Unklarheit zu herrschen: Auf dem neu erhaltenen Gutschein steht “Genuss-Gutschein”, im Anschreiben heißt es “Genussgutschein” und auf anderen Gutscheinen, die ich noch habe, steht “Genuss Gutschein”.

Abgelegt unter: Dies und das, Brandenburg, Politik, Verkehr
Posted By: Markus
 

Bad Behavior has blocked 1115 access attempts in the last 7 days.