La gare des aïeux

Ein Netztagebuch zu Familienforschung, Verkehr und allem anderen

Emden (I)

Sonnabend, 29. September 2007 5:15 pm

Aufmerksame Verwandte werden sich gewundert haben, warum es in der Spalte am rechten Rand keine Kategorie “Familienforschung Peters” gibt. Und in der Tat habe ich zu den Vorfahren meines aus Ostfriesland, genauer gesagt aus Emden, stammenden Großvaters bisher nichts geschrieben, obwohl ich seinerzeit die entsprechende Kategorie gleich eingerichtet habe.

Leider fristet dieser Familienzweig im Rahmen meiner Familienforschung seit längerem ein wenig beachtetes Dasein, was nicht zuletzt daran liegt, daß er so gut erforscht ist. Ich will aber in der Zukunft doch versuchen, ihm hin und wieder einen Eintrag zu widmen, und dies v.a. dadurch, daß ich Bilder aus dem alten Emden vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zeige und diesen einige familiengeschichtliche Notizen anfüge.

Ich beginne mit einer Luftaufnahme von Emden. Am unteren Bildrand liegt die Altstadt (ganz am Rand etwa in Bildmitte ist die Klunderburg zu erkennen), dahinter der Ratsdelft, in der Mitte des Bildes das Rathaus und die Gasthauskirche. Am oberen Rand in der Bildmitte ist das große Gebäude des seinerzeit weltgrößten Telegraphenamtes, in der rechten oberen Ecke der Falderndelft zu erkennen, in der linken oberen Ecke der Stadtgraben.

Wie sieht es nun mit den familiengeschichtlichen Bezügen aus? Schon lange ist es her, daß im Rathaus mein Vorfahr Peter Celos amtierte, denn damals verwüstete noch der Dreißigjährige Krieg das Land. Ganz anders beim Telegraphenamt: Dort begann mein Großvaters Albertus Peters (1892–1934) seine Laufbahn als Telegraphenbeamter.

Dem Eingeweihten sind auch die Kleine Osterstraße und der Apfelmarkt erkennbar. In der Kleinen Osterstraße 25/26 (Ecke Apfelmarkt) befanden sich Haus und Werkstatt meines Urgroßvaters Albertus Peters (1852–1927) und dort wuchs mein Großvater auf. Zur Verdeutlichung habe ich auf dem folgenden Ausschnitt die Lage des Hauses mit einem Kreis markiert:

Ebenfalls in der Kleinen Osterstraße, aber etwas weiter westlich (also auf dem Bild links unterhalb) befand sich das Haus meines Großonkels, des Schlossermeisters Heyo Peters (1884–1950). Und diesem in etwa gegenüber, also ungefähr unterhalb des Kreises, die Nr. 18, in der meine Ururgroßeltern, der Malermeister Johann Friedrich Peters und Swaantje Loesing (beide 1816–1891), gewohnt hatten.

Weiter sei noch das Haus Neutorstr. 22 erwähnt, in dem Tante Tini Beeneken (1894–1987; eine Art Adoptivgroßtante) und ihre Schwestern Anni und Rini ihren Tabakladen hatten, wie zuvor schon ihr Vater. Die Neutorstraße ist die Straße, die vom Rathaus Richtung Norden (also nach links) verläuft, die Nr. 22 befand sich in etwa unterhalb des Kreises.

Ganz am oberen Rand des Bildes, am Rande der alten Stadt (in der Straße “Am Sandpfad” schräg gegenüber der Synagoge), erkennt man das Paulinenstift, benannt nach Pauline Dirksen geb. van Wingene (1809–1858), Frau des Mathematikers Enne Heeren Dirksen (1788–1850) und Tochter von Eberhard van Wingene (1784–1862), des letzten männlichen Vertreters der im 16. Jahrhundert von Ronse in Flandern nach Emden geflüchteten Familie van Wingene, die auch zu meinen Vorfahren zählt.

Abgelegt unter: Familienforschung Peters
Posted By: Markus

Die deutsche Bahn “informiert” (IV)

Sonnabend, 29. September 2007 3:02 pm

Mal wieder informiert die Deutsche Bahn ihre Fahrgäste falsch: Der EC 178 von Prag nach Berlin hatte heute bei der Ankunft im Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) eine Verspätung von 6 Minuten (11.18 statt 11.12 Uhr). Kurz vor Erreichen des Bahnhofes wurde den Fahrgästen über Lautsprecher mitgeteilt, daß sie den ICE nach Hamburg (ab 11.22 Uhr) nicht mehr erreichen würden. Sie wurden auf den Zug eine Stunde später verwiesen.

Pech für die, die sich auf diese Information verließen, und sich nicht beeilten. Denn manche von ihnen dürften den auf dem Nachbarbahnsteig wartenden Zug nicht mehr bekommen haben.

Die Schaffnerin, die die Durchsage machte, konnte nichts dafür, denn ihr wurde von der Transportleitung mitgeteilt, daß der Zug nicht mehr erreicht würde. Aber wieso läßt die Transportleitung solchen irreführenden Angaben machen?

Die Verspätung wurde übrigens dadurch verursacht, daß der Zug wegen Bauarbeiten über Falkenberg umgeleitet wurde. Daß er trotz zahlreicher Langsamfahrstellen auch auf dieser Strecke kaum verspätet war, macht deutlich, daß ernsthaft geprüft werden sollte, ob zwischen Berlin und Dresden anstelle der Strecke über Elsterwerda (180 km) die Strecke über Falkenberg (192 km) für den ICE-Verkehr ausgebaut werden sollte. Da die Geschwindigkeit auf dieser Strecke teilweise höher als 200 km/h sein könnte, wäre die Fahrzeit in etwa gleich.

Da die Strecken Berlin — Leipzig bzw. Leipzig — Dresden sowieso ausgebaut sind bzw. werden, fehlen über Falkenberg zwischen Jüterbog und Röderau nur noch 78 km Schnellfahrstrecke gegenüber 130 km zwischen Außenring und Böhla bei der Strecke über Elsterwerda, die dann nur noch für den Güter- und Regionalverkehr auf 160 km/h ausgebaut werden müßte. Das dürfte zusammen billiger sein und die Verbindung über Falkenberg könnte zudem früher realisiert werden.

Abgelegt unter: Berlin, Brandenburg, Politik, Verkehr
Posted By: Markus

Rumpelstilzchens Bahnhof

Freitag, 28. September 2007 3:18 pm

Das ist ja wohl ein Witz! Die “Allianz pro Schiene” hat den Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) als Bahnhof des Jahres 2007 ausgezeichnet. Zwar hat es die Deutsche Bahn auch 15 Monate nach der Eröffnung noch nicht geschafft, Stadtpläne auszuhängen, auf denen die Buslinien richtig eingezeichnet sind, aber trotzdem wird sie wegen “Kundenfreundlichkeit” gelobt. Was sagen wohl die Fahrgäste dazu, die aufgrund dieser falschen Stadtpläne mit schwerem Gepäck durch die Gegend geirrt sind? Muß man sich jetzt fragen, wie es erst an anderen Bahnhöfen aussieht?

Wahrscheinlich sind aber mit “Kunden” auch gar nicht die Fahrgäste gemeint. Denn die wären bei den zu wenigen und zu langsamen Aufzügen, den weiten Umsteigewegen, dem zu kurzen Dach, der fehlenden Möglichkeit der Gepäckannahme und -abholung rund um die Uhr und all den anderen Mängeln wohl kaum auf die Idee gekommen, der Bahnhof könne kundenfreundlich sein. Aber wieso heißt es dann “Allianz pro Schiene” und nicht “Allianz pro Einkaufszentrum”?

Geradezu absurd sind einige der Begründungen der Jury:

  • Die “tolle Akustik”: Mag ja sein, daß man kaum etwas von den Zügen hört. Leider sind die Ansagen in den Vorhallen auch nicht zu verstehen.
  • Das zahlreiche und kundenorientierte Bahnhofspersonal. Schön und gut, aber was hilft das, wenn das Bahnhofspersonal auch keine Informationen besitzt?
  • “Der Bahnhof hat Aufenthaltsqualität. Die Wartezeit beim Fahrkartenkauf können Reisende auf roten Ledersesseln überbrücken.” Ziemlicher Unsinn, dieser Satz. Denn schließlich stehen die Reisenden beim Fahrkartenkauf in der Schlange, und sitzen nicht in den Sesseln. Man könnte natürlich auch Wartenummern ausgeben, dann wären auch die Sessel von Nutzen. Vielleicht sollte man einfach dafür sorgen, daß die Reisenden gar nicht warten müssen?

Hat Mehdorn nach Transnet und Verkehrsministerium auch noch die Allianz pro Schiene eingekauft?

Abgelegt unter: Berlin, Politik, Verkehr
Posted By: Markus

Wie photographiert man Sommerfäden?

Montag, 24. September 2007 2:16 pm

Diese Frage stellte ich mir gestern, als ich während einer Radtour von Zittau nach Muskau bzw. Weißwasser eine Pause machte und in der Nähe des östlichsten Punktes Deutschlands auf einer Wiese in der Sonne lag. Einmal abgesehen von dem Problem der pfleglichen Bedienung einer Voigtländer Bergheil, wenn sich an den Händen ein Gemisch von Dreck, Sonnencreme, Schweiß, Blut und Betaisodona (ja, manchmal falle auch ich vom Fahrrad) befindet.

Gesetzt den Fall, man findet einen Standpunkt für den Photoapparat, von dem aus sich ein wohlkomponiertes Bild machen läßt, das auch die Spätsommerstimmung schön wiedergibt, wie bekommt man dann die Sommerfäden mit auf’s Bild? Die ziehen vorüber und flimmern zwischen den Gräsern in der Sonne, aber wie soll man das auf dem Film festhalten? Sicher, von den Fäden im Gras kann man eine Nahaufnahme machen, aber von den fliegenden nicht. Und der Rest der Landschaft fehlt dann auch. Vielleicht fällt mir nächstes Jahr etwas ein. Denn der Wetterbericht läßt erwarten, daß es mit dem Altweibersommer bald wieder vorbei ist.

Da haben es Schriftsteller schon einfacher. Einfach hinsetzen und schreiben, ohne Rücksicht auf Belichtungszeiten, Blende, Entfernung und technische Schwierigkeiten. Dann kann man auch Sommerfäden festhalten.

Wobei ich zugeben muß, daß mir bisher außer Fontane kein Schriftsteller bekannt war, bei dem Sommerfäden vorkommen. Google hat aber gezeigt, daß dem nicht so ist. Es gibt z.B. ein Gedicht dieses Namens von Karl August Candidus, das von Brahms vertont wurde.

Abgelegt unter: Dies und das, Photographie
Posted By: Markus

Noch einmal Aurith

Montag, 17. September 2007 5:19 pm

Mit Schrecken stelle ich fest, daß dieses blog schon wieder seit 12 Tagen ohne neuen Eintrag ist. Um dem abzuhelfen, will ich noch einmal auf die polnisch-deutsche Radtour am 24. Juni 2007 zurückkommen. Denn heute traf ich auf der Buchvorstellung des Buches “Deutsch-deutscher Radweg” von Michael Cramer zufällig Charlotte Noblet, die Initiatorin eines “Véloblog an der Oder-Neiße“.

Das nehme ich zum Anlaß, noch ein Bild der Radtour von der deutschen Seite aus nachzureichen. Hier also die auf der polnischen Seite fahrende Gruppe auf der Fährbuhne in Aurith (Bild: Heiko Scholz):

Inzwischen hat sich auch die Bürgerinitiative Ziltendorfer Niederung gegründet. Ob aber die von dieser geforderte Verlegung der Straßenbrücke nach Eisenhüttenstadt eine Lösung ist? Schließlich zerstört auch diese Brücke die Natur und erzeugt weiteren und überflüssigen LKW-Verkehr. Warum sie aber die Wirtschaft im Raum Eisenhüttenstadt fördern soll, konnte mir bisher noch niemand erklären. Für den Personenverkehr sind Fähren ausreichend und der Güterverkehr gehört auf die Schiene!

Die PDS aber hat das noch nicht verstanden und will weiter die Natur zerstören (hier S. 6).

Abgelegt unter: Dies und das, Brandenburg, Verkehr, Gefunden
Posted By: Markus

Aus deutschen Amtsstuben (XX)

Mittwoch, 5. September 2007 11:26 pm

Auf einem der letzten Mauerstreifzüge stieß ich an einem Weg an der Grenze zwischen Berlin und Schönwalde auf dieses Schild:

Wie lange hat da wohl jemand an seinem Schreibtisch gebrütet, bevor er dieses Schild aufstellen lies?

Ich kann mir das nur so erklären: Da war jemand der Meinung, bei Tempo 30 würden weniger Frösche überfahren als bei höheren Geschwindigkeiten. Mal von dieser doch wenig wahrscheinlichen These abgesehen: Meiner Meinung nach bedeutet das Schild, so wie es dasteht, daß Frösche hier nicht schneller als 30 fahren (oder wohl eher hüpfen) dürfen.

Oder ist diese Interpretation falsch?

Abgelegt unter: Dies und das, Berlin, Brandenburg, Verkehr
Posted By: Markus
 

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