Donnerstag, 13. Dezember 2007 7:10 am
Zur Zeit bin ich auf dem Weg in’s Landeskirchliche Archiv in Nürnberg. Es ist dies ein lange geplanter Besuch, der noch in die Zeit zurückreicht, als das Archiv in Regensburg beheimatet war. Nürnberg immerhin ist von Berlin aus mit einer Tagesfahrt zu bewältigen, also habe ich mich um 5.49 Uhr am Lehrter Bahnhof in den Zug gesetzt. Wenn alles gut geht, müßte ich spätestens um 23.00 Uhr wieder zurück sein. Vielleicht kann ich ja schon auf dem Rückweg über das Ergebnis meiner Forschungen berichten.
Es geht bei dem Archivbesuch um die Herkunft meiner Ur-ur-ur-ur-Großmutter Johanna Mariana Dorothea Pröschel, die am 18. April 1774 in der Moritzkirche in Halle an der Saale Johann Christian Röhling heiratete. Ihr Vater ist im halleschen Bürgerbuch am 26. Januar 1755 eingetragen als “Johann Ludwig Preschel, Schneider geb[ürtig] von Kelsheim bei Windesheim”, also als aus Külsheim bei Windsheim in Franken stammend. Johanna Mariana Dorothea Pröschel wurde nach der Altersangabe in ihrem Sterbeeintrag (sie starb am 15. Juli 1803 in Halle im Alter von 51 Jahren 6 Monaten) im Winter 1751/52 geboren, d.h., bevor ihr Vater das Bürgerrecht in Halle erwarb. Nach dem Heiratseintrag war sie etwas jünger, nämlich damals 21 Jahre als, also 1752/53 geboren. In den Hallenser Kirchenbüchern waren weder ihr Taufeintrag noch der Heiratseintrag ihrer Eltern zu finden (die Mutter war Maria Magdalena Backhaus). Drei Geschwister sind in den Jahren 1753–1758 in den Kirchenbüchern von St. Moritz verzeichnet. Bei einem der Kinder, einem am 27. Dezember 1753 (also ebenfalls vor dem Erwerb des Bürgerrechtes durch den Vater) totgeborenen Sohn wird dieser als “eines Herren Dieners” Sohn bezeichnet.
Für Hallenser Ohren war der Familienname offenbar nur schwer zu Papier zu bringen, da sowohl das fränkische “P” als auch der erste Vokal keine rechten mitteldeutschen Äquivalente hatten. Und so finden wir denn den Namen in Halle als Breschel und Preschel, Brischel und Prischel, Bröschel und Pröschel, Brüschel und Prüschel.
Aber nun nach Franken. Leider stellten sich die Forschungen als schwieriger heraus, als es die eigentlich klare Ortsangabe “Kelsheim bei Windesheim” im Hallenser Bürgerbuch vermuten ließ. Denn in den Kirchenbüchern von Lenkersheim (dort wurden auch die Amtshandlungen von Külsheim eingetragen), die ich im Jahre 2004 vor Ort durchsah, waren weder Taufe oder Heirat des Johann Ludwig Pröschel noch die Geburt der Tochter Johanna Mariana Dorothea zu finden.
Ich versuchte daraufhin mein Glück in Windsheim, in der Hoffnung, daß aus irgendeinem Grund die betreffenden Amtshandlungen dort eingetragen worden seien. Zwar war das Pfarramt seinerzeit schon geschlossen, aber es fand sich später eine Dame, die die Kirchenbücher für mich durchsah. Auch sie fand die gesuchten Einträge nicht, stieß aber auf einen anderen Eintrag, der vielleicht weiterführt. Unter dem 5. September 1769 heißt es im Windsheimer Totenbuch (S. 460 Nr. 64):
“Joseph Pröschel, Stadt-Windsheim[ischer] Unterthan und Bauersmann zu Illesheim, ein Witwer. Lebte in d[er] ersten Ehe 17 1/2 Jahr und erzeugte 5 Kinder nämlich 1 Sohn und 4 Töchter von welchen 4 Töchtern eine schon verstorben, die andere aber in die Ferne gezogen, also daß man nicht weis, ob sie noch lebe. Er sahe auch eine Enkeltochter. Nach einem halbjährigen Witwerstande trat er in die zweyte Ehe, welche 23 Jahr, weniger 8 Tage währte. Die in dieser zweyten Ehe erzeugten 3 Kinder, nämlich ein totgeborenes Söhnl[ein] und zwei Töchter sind ihm schon in die Ewigkeit vorangegangen. Er brachte im zweiten Witwerstande zu 3 Jahr, weniger 7 Wochen, und starb in seines Tochtermannes Hause in einem Alter 75 Jahren, 1 Mon[at] u[nd] 17 Tagen.”
Ob es mir nach 238 Jahren gelingen wird, die Frage zu beantworten, ob zumindest eines der Kinder, das in die Ferne gezogen, beim Tode des Vaters noch lebte? Wenn Johann Ludwig Pröschel ein Sohn des Joseph Pröschel war, dann wäre dies der Fall gewesen, denn er starb erst 12 Jahre nach ihm in Halle, am 8. März 1781 im Alter von 56 Jahren und 1 Monat.
Wenn sich in Illesheim nichts finden läßt, dann kommt vielleicht noch das ebenfalls in der Nähe von Windsheim gelegene Ickelheim in Frage, dessen Kirchenbücher auch in Nürnberg aufbewahrt werden. Aber wenn ich dort nichts finde, dann werde ich die Forschungen zu dieser Vorfahrenlinie wohl erst einmal einstellen müssen.
Abgelegt unter:
Familienforschung Röhling Posted By: Markus