Fahrpreisnacherhebung (I)
Heute sah ich mich gezwungen, folgendes Schreiben an die Deutsche Bahn zu richten:
IC 2131, 15. November 2009
Fahrpreisnacherhebung 40 09 […….. .]
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren!
Leider mußte ich heute im IC 2131 von Emden nach Berlin eine unerfreuliche Erfahrung machen. Der Hergang ist der folgende:
Beim Kauf einer Fahrkarte nach Emden in Berlin am 12. November 2009 stellte sich heraus, daß der Magnetstreifen meiner Bahncard nicht lesbar war. Der Herr am Schalter (sehr freundlich) bestellte daraufhin beim Bahncardservice eine neue Bahncard für mich (die mich aber verständlicherweise noch nicht erreicht hat). Da ich noch nicht wußte, wann und mit welcher Zuggattung ich zurückfahren würde, konnte ich noch keine Rückfahrkarte erwerben.
Am Sonntag, dem 15. November 2009 entschied ich mich, mit dem IC 2131 zurückzufahren (ohne Umsteigen über Magdeburg). Leider war es mir nicht möglich, am Bahnhof in Emden eine Fahrkarte zu erwerben, da der Automat die Bahncard nicht akzeptierte und der Fahrkartenschalter Sonntags geschlossen ist. Zudem waren nur zwei Fernverkehrsautomaten vorhanden, die kein Bargeld akzeptierten. (Zur Bargeldannahme waren daneben noch zwei Nahverkehrsautomaten vorhanden, deren Bedienung mir aber nicht vertraut war und die anscheinend weder das Punktesammeln noch den Kauf von Fernverkehrsfahrkarten gestatteten).
Ich stieg daher ohne Fahrkarte in den Zug ein und meldete mich unaufgefordert und unverzüglich beim Schaffner (Herrn […] Z[…]) sobald er im Wagen erschien, um die Fahrkarten zu kontrollieren.
Während des Kaufvorganges (bei dem der Schaffner bestätigte, daß meine Bahncard nicht lesbar war) wurde mir mitgeteilt, daß ich einen Bordpreis von 45,10 Euro statt des Normalpreises von 41 Euro zu zahlen habe. Daß der Automat meine Bahncard nicht akzeptiert habe, wollte der Schaffner nicht gelten lassen.
Ich habe mir daraufhin die Beförderungsbedingungen der DB unter http://www.bahn.de/hilfe/view/mdb/pv/pdf/agb/MDB21350-befoerd_beding_060306.pdf heruntergeladen und dort unter Punkt 3.9 folgendes gelesen:
“War bei Fahrtantritt weder ein Fahrkartenschalter geöffnet noch ein zur Annahme von Bargeld geeigneter betriebsbereiter Automat vorhanden, hat der Reisende statt des Bordpreises nur den Normalpreis unter Berücksichtigung etwaiger im Zug erhältlicher Ermäßigungen zu zahlen.”Ich habe diesen Satz daraufhin dem Schaffner vorgelesen. Leider zeigte sich der Schaffner unbeeindruckt. Er sagte, er könne ja schließlich nicht wissen, ob es in Emden Automaten gäbe, die Bargeld annähmen oder nicht. Ich hätte mir zudem den Sachverhalt nicht vom Aufsichtspersonal auf Bahnsteig 5/6 bestätigen lassen. Er wolle auch nicht weiter mit mir diskutieren und werde daher den Kaufvorgang abbrechen und eine Fahrpreisnacherhebung vornehmen.
Ich habe dann vom Schaffner eine entsprechende Forderung in Höhe von 85,10 Euro ausgehändigt bekommen.
Anschließend habe ich mich auf der auf der Fahrpreisnacherhebung angegebenen Internetseite http://www.db-fahrpreisnacherhebung.de weiter informiert.
Unter http://www.db-fahrpreisnacherhebung.de/faq/index.html steht u.a.: “Wenn Sie bei der Kontrolle gegenüber dem Zugbegleiter den Defekt eines Fahrkartenautomaten reklamiert haben, wird dies auf Ihrer Fahrpreisnacherhebung entsprechend vermerkt und zur Prüfung an die zuständigen DB-Stellen weitergeleitet.” Zwar war in meinem Fall nicht der Automat defekt, aber es ist offenbar möglich, auf der Fahrpreisnacherhebung eine Begründung für die Nichtzahlung zu vermerken.
Auf meiner steht aber nur: “Begründung: keine”. Auf Nachfrage erklärte mir der Schaffner, daß er dort gar nichts eintragen könne, das lasse sein Verkaufgerät nicht zu. Ich wage nicht zu entscheiden, ob dieser Aussage die Programmierung des Gerätes oder die Bedienung zugrunde liegen.
M.E. habe ich alles getan, um vor Fahrtantritt in den Besitz einer Fahrkarte mit Bahncardermäßigung zu kommen und sehe daher sowohl den Bordpreis von 45,10 Euro als auch den erhöhten Fahrpreis von 40 Euro als unberechtigt an und werde nur den regulären Fahrpreis von 41 Euro auf das auf der Fahrpreisnacherhebung genannte Konto überweisen.
Ich bitte, mir entsprechend zu bestätigen, daß damit alle Forderungen Ihrerseits beglichen sind.
Außerdem möchte ich Sie bitten, mit Herrn Z[…] ein klärendes Gespräch zu führen. Wenn selbst BahnComfort Kunden so behandelt werden, will ich mir gar nicht ausmalen, wie es “normalen” Fahrgästen bei Herrn Z[…] ergeht.
Mit freundlichen Grüßen,
Markus Röhling
Bahncardnummer 7081 […. …. ….]
Mal sehen, was jetzt passiert. Den Inhalt dieser e-mail werde ich heute abend auch noch per Fax abschicken.
Die Bahn scheint da unerbittlich zu sein, wie man z.B. unter http://www.der-fahrgast.de/Archiv/2003/2003-3-5-11.pdf lesen kann.
Weitere Informationen zum Thema:
http://www.fahrgast-rechte.de/Ubersicht/Ihr_Problem/Nachzahlen/nachzahlen.html
Vielleicht sollte ich endlich Mitglied von Pro Bahn werden? Der Mitgliedsbeitrag von 42 Euro wäre sogar günstiger als das, was ich jetzt zusätzlich zahlen soll (44,10 Euro). Andererseits wollte ich doch auch endlich dem BUND beitreten (50 Euro pro Jahr).
So, der Eintrag ist fertig. Wir haben gerade Linsburg auf einem Überholgleis (wegen Bauarbeuten) durchfahren. Es erleichtert doch ungemein, daß man seinen Ärger über die Deutsche Bahn gleich während der Fahrt in’s Netz stellen kann. Selbst wenn es keiner lesen sollte. Für die Internetrecherchen habe ich zwar die Strecke von kurz vor Leer bis hierhin gebraucht, aber dafür weiß ich jetzt auch mehr.
Es scheint auch eine eigene Bahn-Blogospäre zu geben, vgl. z.B. http://dasbahnblog.de Aber da werde ich mich jetzt nicht weiter hineinversenken.
Abgelegt unter: Politik, VerkehrPosted By: Markus
Hallo, lieber Bahnfahrer. Du fragst nach Internetforen. Ich möchte Dir gerne www.bahnerforum.de empfehlen. Soweit ich weiß (und viel ist es leider nicht), ist die beste Beraterin in Sachen Kommerz, Fahrgastbetreuung die liebe Kollegin Tickettussi. Ich bin kein DB-Angestellter. MfG Tom